Kanzleimarketing: LinkedIn-Kommunikation in Krisenzeiten

Echte Hilfe oder Aktionismus

Auf LinkedIn haben die Schlagzahlen von anwaltlichen Postings enorme Höhen erreicht. Anwälte glauben zum Teil, dass das jetzt ihre Stunde sei. Sie posten munter, schüren zum Teil Ängste und bewegen sich unsicher. Jetzt allerdings wäre genau die richtige Zeit, sich abzuheben – durch ehrliche Angebote und echte Hilfen.

Vertrauensbildung bei LinkedIn

Was glauben Sie, wonach Sie Ihre Mandanten wesentlich aussuchen? Was denken Sie, zu wem Mandanten ehrlich sind, mit wem ihnen die Zusammenarbeit Freude macht? Oder gehen Sie von sich aus? Wen beauftragen Sie als Anwalt? Wir beauftragen den, dem wir vertrauen. Das funktioniert auch im b2b-Geschäft. Es geht immer um den Aufbau von Beziehungen – besonders im Beratungsmandat. Es geht immer um Menschen und selbstverständlich um Emotionen. Und diesen Begriff sollte man nicht als Antagonismus zur Professionalität sehen.

Kommunikation und Bildsprache

Es macht einen Unterschied, wie Sie Dinge benennen. Formulieren Sie also im besten Fall im Sprachritual Ihrer Zielgruppe. So, wie Ihre Mandanten sprechen, suchen Sie auch.

Mit dem tausendsten Bild eines Virus erlangen Sie keine Aufmerksamkeit. Ich persönlich bin gerade jetzt für eine positive Ausstrahlung in der Bildsprache. Ja – da darf (für mich) auch eine Becker-Faust gezeigt werden, wenn man über die Genehmigung von Stundungsanträgen bei Finanzämtern oder Krankenkassen schreibt. Alles, was dramatisiert, den Druck noch erhöht, Angst macht, wollen die Leute jetzt nicht mehr. Sie möchten Hoffnung spüren. Posten Sie deshalb trotzdem auch weiter Deals, wenn es sie gibt.

Meine Tipps für Sie

  1. Beobachten Sie die Kommunikation des Wettbewerbs. Wenn Sie etwas negativ triggert, schauen Sie genau hin, warum das so ist.
  2. Checken Sie Hashtags. Ein Hashtag kann verbinden. Sinnvoll ist er dann, wenn er Follower in Ihrer Zielgruppe hat.
  3. Teilen Sie Nutzen und halten Sie Wissensvorsprung nicht mit dem Gedanken zurück, dass man den doch „verkaufen“, also damit Mandate generieren könnte. Sie haben eine Verantwortung für Ihre Mandanten, denn die werden Sie auch morgen wieder beauftragen. Seien Sie also altruistisch.
  4. Bewahren Sie Ihre Werte und lassen Sie sich nicht vom Wettbewerb verunsichern. Nur wenige Kanzleien wissen im Moment wirklich, was sie da tun. Bleiben Sie ruhig und agieren Sie nicht aktionistisch.
  5. Wenn Sie Verantwortung für eine größere Einheit haben, formulieren Sie eine Policy, damit es keine reputationsschädigenden Ausreißer gibt.
  6. Reagieren Sie, wenn Sie die Zeit haben, auf Posts Ihrer Mandantschaft. Gern auch einen Tick emotionaler als sonst – zeigen Sie Ihre Verbundenheit.
  7. Denken Sie für Ihre Mandantschaft mit – denken Sie genau darüber nach, was diesen Mandanten, oder Zielmandanten, jetzt helfen könnte.
  8. … und vor allen Dingen – bleiben Sie gesund und verlieren Sie Ihre Besonnenheit nicht.
Weitere Tipps zum Thema LinkedIn finden Sie in diesem kurzen Leitfaden für Anwälte:

Die Autorin:

Liane Allmann ist die Inhaberin von Kitty & Cie, für strategische Kommunikationsberatung & Vertriebsmanagement für Anwälte

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