Mit SAM sicher durch wirtschaftlich und rechtlich schwierige Zeiten

Im Januar ist nach Recht 2030 und Erfolgsfaktor Kanzleiidentität das dritte Buch der Frankfurter Geschäftsentwicklerin Dr. Anette Schunder-Hartung erschienen: Strategien für Dienstleister ist ein Gemeinschaftswerk mit zahlreichen Anregungen aus dem New Work-Kosmos. Was zeichnet es aus, wollten wir von ihr wissen.

Frau Dr. Schunder-Hartung, Ihr neues Buch trägt den Untertitel „Erfolgreich mit SAM …“. Stellen Sie uns darin Ihren jüngsten Kollegen vor?

Gewissermaßen! Wenn es nach mir und meinen Mitautoren geht, sollte SAM uns künftig alle bei der Arbeit begleiten. SAM ist eine Kunstfigur, und die Anfangsbuchstaben seines Namens stehen für die zentralen inhaltlichen Empfehlungen unseres Buchs.  Die lauten: Arbeiten Sie „S“ wie durchweg systematisch, „A“ wie wo immer es geht agil und „M“ wie multimedial. Was das tatsächlich – und nicht nur in der Theorie – bedeutet, beschreiben wir zu dritt mit rund hundert Jahren Praxiserfahrung.

Wo kommt diese Expertise genau her?

Das Buch ist ein Gemeinschaftswerk, das ich zusammen mit eprimo-Personalentwickler Martin Kistermann und dem Medienprofi Dirk Rabis verfasst habe. Dabei haben wir alle unterschiedliche Schwerpunkte und Perspektiven eingebracht. Ich selbst bin Unternehmensentwicklerin und zertifizierter Business Coach mit einer rund 25-jährigen Historie als Rechtsanwältin und Redakteurin.

Martin Kistermann ist wie ich Volljurist und Coach und hat immer schon mit Personalführung und Personalentwicklung zu tun gehabt. Er stammt allerdings aus dem Unternehmenskosmos und hatte schon bei einer Bank und im Management eines Mobilfunkanbieters gearbeitet, als er begann, bei eprimo neue Strukturen einzuziehen. Dirk Rabis wiederum ist bereits seit Ende der 80er-Jahre als vollschichtiger Kommunikationsstratege aktiv. Er kennt ganz unterschiedliche audiovisuelle Medien und Welten und positioniert teils sehr prominente Personen und Unternehmen aus Sport, Film, Musik, Politik, Handel, Wirtschaft und Industrie. Weil der Grundsatz „All business is people business“ unseres Erachtens auch fürs Bücherschreiben gilt, fanden wir diese Autor(inn)enmischung optimal für das geplante Leseerlebnis.

Für wen ist Ihr Buch geschrieben, speziell für Juristinnen und Juristen oder generell für alle Anbieter von Dienstleistungen?

Wir wenden uns an alle, die sich in rechtlich und wirtschaftlich schwierigen Zeiten Rüstzeug aneignen wollen, um auf Ihren Fachgebieten und in Ihren Branchen attraktive Dienstleister zu werden und zu bleiben.

Ihr Buch beschreibt im zweiten Kapitel „Die drei Säulen Ihres neuen Arbeitsalltags“ – im Einklang mit SAM. Können Sie uns das näher erläutern?

Zunächst einmal sollten Sie bei allem, was Sie als Dienstleister tun, systematisch vorgehen und klare Strukturen leben. Arbeiten Sie heraus, worauf es in Ihrer Unternehmung wirklich ankommt, welche Vision Sie haben und welche Werte Sie glaubwürdig vertreten können. Erst danach können Sie praktikable Unternehmensziele festlegen und in Kennzahlen übersetzen. Außerdem müssen Sie und alle anderen, mit denen Sie zusammenarbeiten, verschiedene Persönlichkeitstypen erkennen und schätzen lernen. Soft Skills sind ein ebenso wichtiges Thema wie die Einübung kluger Vorgehensweisen. Das bereiten wir Stück für Stück auf.

Aber über die Agilitätsfrage ist damit noch nichts gesagt.

Genau, diesen Punkt müssen Sie erst einmal gesondert betrachten.  Und hier steckt der Teufel im Detail:

So viel über agiles Arbeiten nämlich schon gesagt worden ist – uns wurde das bisher noch viel zu oft am grünen Tisch abgehandelt. Auf die Frage der Umsetzbarkeit im längerfristigen Betriebsablauf wird es dann ärgerlich vage.

Angesichts dessen vertiefen wir das „A“ in SAM anhand des ganz konkreten, detaillierten Falls von eprimo. Dabei beschreiben wir nicht nur die Gründe für ein agiles Konzept und die Grundlagen der Strukturänderung, sondern wir gehen auch auf alle Beteiligten ausführlich ein. Das gilt für die Führungskräfte ebenso wie für den Betriebsrat.

Sprechen Sie dabei auch die gerade hoch aktuelle Frage nach der Gestaltung entsprechender Homeoffice-Regelungen an?

Ja, auch diesen Punkt haben wir im Blick. Wobei dann die Frage nach mobilen Arbeitsformen gleich auf dem Fuße folgt. Von dort aus ist es wiederum nur ein kleiner Schritt zur Frage nach der Ausschöpfung multimedialer Kommunikationskanäle. Denn wer nicht physisch vor Ort ist, muss sich intern wie extern umso stärker auf virtuelle Präsenzmöglichkeiten besinnen.

Nachdem Sie im Multimedia-Kapitel den Weg vom Printmedienmonopol ins Digitalzeitalter beschrieben haben, bezeichnen Sie mobiles Arbeiten sogar als New Normal. Aber birgt diese schöne neue Welt nicht auch zahlreiche juristische Herausforderungen?

Damit sprechen Sie das Erfordernis datenschutzkonformer Lösungen an. Denken Sie nur an die Datenschutz-Grundverordnung – auch darauf gehen wir in unserem Buch ein. Wer sich im Multimedia-Kosmos zurechtfinden will, braucht gleichermaßen rechtliches und technisches Grundwissen. Einige praktische Hinweise, die wir unseren Lesenden mitgeben, betreffen beispielsweise die besten Tools für Videokonferenzen. Außerdem finden Sie eine Liste mit Moderationstipps.

Im Anhang des Buches drucken Sie ergänzendes Datenmaterial ab. Was hat es damit auf sich?

Auch das war für uns eine Frage des Praxisbezugs. Wir wollten nicht einfach darüber spekulieren, ob und inwieweit sich Informations-, Arbeits- und Konsumwege in jüngster Zeit verändert haben. Deswegen haben wir den Statistikdienstleister Norstat gebeten, für uns entsprechend zu recherchieren.

Dabei hat sich der Verdacht, dass Bewegtbilder und elektronische Medien als Multiplikatoren weiter auf dem Vormarsch sind, ganz klar bestätigt.

Daran werden auch traditionell konservativ ausgerichtete Dienstleistergruppen wie beispielsweise Wirtschaftskanzleien künftig nicht einfach vorbeigehen können.

Wenn Sie ein Resümee ziehen sollten …

… würde ich sagen, systematisches, agiles und multimediales Vorgehen sind drei aufeinander bezogene, ineinander übergreifende Teilbereiche Ihres modernen Arbeitens als Dienstleister, die schlicht unabdingbar sind. Als erfolgreicher Dienstleister der Zukunft müssen Sie sie gleichzeitig und gleichermaßen praktizieren. Dabei gilt: Probieren geht über Studieren. Wobei – Stichwort Studieren: Auch unser Buch werden Sie in sehr überschaubarer Zeit lesen können. Es ist als etwa 150-seitiges Paperback erschienen und enthält zahlreiche Merkkästchen und Zusammenfassungen für Sie.

Frau Dr. Schunder-Hartung, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Schunder-Hartung / Kistermann / Rabis
Quick Guide Strategien für Dienstleister
2021, XII 157 Seiten
Softcover € 24,99
Springer Gabler ISBN 978-3-658-31648-8

Interviewpartnerin

 

Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder-Hartung, Business Coach (IHK), Frankfurt am Main

 

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