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Mitarbeiterführung in Steuerkanzleien

Erfolgreiche Unternehmensführung geht Hand in Hand mit gelungener Mitarbeiterführung. Qualifizierte Mitarbeiter sind knapp in der Steuerbranche. Dies verleiht dem Thema zusätzliche Brisanz.  Mit Employer Branding positionieren Sie Ihre Kanzlei als attraktive Arbeitgebermarke, es ist deshalb essenzieller Bestandteil moderner Mitarbeitergewinnung und langfristiger Mitarbeiterbindung.

Employer Branding beschreibt die Summe aller Aktivitäten, die Sie ergreifen, um am Markt als potenzieller Arbeitgeber wahrgenommen zu werden. Sind die richtigen Mitarbeiter an Bord, geht es um langfristige Bindung – dies betrifft neben Vergütung, Entwicklungsperspektiven und Führungsmethoden auch den Blick auf moderne Arbeitswelten und in die Zukunft.

Welchen Hut haben Sie auf?

Moderne Kanzleiführung bedeutet, dass sich die Kanzleiinhaber in erster Linie als Unternehmer und nicht als bester fachlicher Mitarbeiter der Kanzlei verstehen. Im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung müssen neue kanzleiinterne Arbeitsstrukturen entwickelt sowie neue Beratungsansätze bei den Mandanten etabliert werden. Gleichzeitig ist der aktuelle Kanzleialltag zu managen.

Erfolgreiche Kanzleiinhaber arbeiten an, nicht in ihrer Kanzlei. Sie konzentrieren sich auf ihre wesentlichen Chefaufgaben, die für Wachstum und Erfolg, also für die Zukunftsfähigkeit der Kanzlei, sorgen. Der Wunsch nach stetiger Verbesserung der aktuellen Situation ist ihr Antrieb. 

Dabei sind sie innovativ, strukturgebend und ergebnisorientiert. „Wer nicht weiß, wohin er will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt“, sagte Mark Twain.

Um eine Kanzlei zu führen, muss der Kanzleiinhaber eine Vision liefern, die Mission kommunizieren, Strategien entwickeln und die Zielerreichung überwachen.

Mitarbeiter gewinnen

Der erste Schritt für Ihre Mitarbeitersuche ist Ihr klares Bild – das nicht nur die vakante Stelle betrifft, sondern auch die interne Struktur Ihrer Kanzlei. Bevor Sie sich an die Entwicklung eines Stellenangebots setzen, sollten Sie die Zuständigkeiten in der Kanzlei auf den Prüfstand stellen und ausgefranste Prozesse glätten. Über Homepage und Social Media positionieren Sie sich als attraktive Kanzlei – und lassen Ihre Zielgruppe wissen, dass es sie gibt und dass Sie Mitarbeiter suchen. Stellenanzeigen auf Jobplattformen oder -netzwerken wie Xing sind nur einige Beispiele für eine effektive Suche.

Halten Sie die Schwelle für die Bewerbungsübermittlung niedrig oder bieten Sie gar einen Rückruf an interessierte mögliche Bewerber an: Werden die Kontakte zur Kanzlei leicht gemacht, kommen mehr Kontakte bei Ihnen an.

Wer versteht, kann besser führen

Wer als Chef weiß, warum seine Mitarbeiter auf die eine oder andere Art reagieren, kann strategischer und effizienter führen. Ein grundsätzliches Verständnis der Charakteristika und Besonderheiten der einzelnen Mitarbeitertypen und Generationen hilft weiter: Welche Generationen sind in Ihrer Kanzlei vertreten? Wie viele sind Digital Natives, wer gehört der Generation X, Y oder den Post Millenials an? Sie alle haben unterschiedliche Prägungen erfahren, die ihre Wertevorstellungen im Hinblick auf Arbeitseinstellung, Zuverlässigkeit, Bindung, technische Affinität, Kommunikation, Motivation und Problemlösung sehr stark beeinflussen. Einmal erkannt, können bewusst gestaltete Mehrgenerationen-Teams beispielsweise gleichermaßen mit Erfahrung und Innovation punkten. Zur Typisierung nach Persönlichkeiten stehen verschiedene Analysemodelle zur Profilerstellung zur Verfügung. Bei der Berücksichtigung der Ergebnisse in der Praxis ergänzen sich die Stärken, Schwächen und Verhaltensweisen im Team idealerweise und Konflikte können minimiert werden.

Führen, motivieren, entwickeln = langfristig binden

Themen wie Arbeitsatmosphäre, Work-Life-Balance, Karriere und Perspektiven, Gehalt und Sozialleistungen, Sozial- und Umweltbewusstsein, Führungsverhalten, Arbeitsbedingungen, Kommunikation, Kollegenzusammenhalt und Unternehmenskultur bilden die Rahmenbedingungen für die Kanzlei und das Employer Branding. Sind diese Faktoren stimmig, schaffen sie eine motivierende Situation für alle Kanzleiangehörigen. Ein kollegialer Führungsstil bei klaren Zuständigkeiten und Reportingstrukturen, Weiterbildungsmöglichkeiten, jährlichen Mitarbeitergesprächen in einer Atmosphäre der Wertschätzung bietet Mitarbeiter eigenständiges Handeln in klar definierten Bereichen und trägt maßgeblich zur Mitarbeiterbindung bei. Hier gilt es, ein für die Kanzlei passendes Portfolio zusammenzustellen und zu leben.

Wie wollen Sie in Zukunft arbeiten?

Nichts beschreibt die aktuelle Situation und die Trends in der Arbeitswelt  und besonders in unserer Branche so treffend wie VUCA. Das Akronym steht für die englischen Begriffe

  • Volatility = Volatilität, Unbeständigkeit
  • Uncertainty = Unsicherheit
  • Complexity = Komplexität
  • Ambiguity = Mehrdeutigkeit

VUCA zeigt sehr genau, was gerade in unserer Welt geschieht und mit welchen Folgen sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen rechnen müssen. Handeln ist angesagt. Unter dem Begriff „New Work“ wird im beruflichen Leben auf die neuen Entwicklungen eingegangen. Diese zeigen sich in unseren Werten, dem Spektrum von Arbeitsmodellen, modernen Entlohnungskonzepten und der Bürogestaltung. Typische Beispiele sind: flache Hierarchien, Verwendung der neuesten digitalen Technik, flexiblere Arbeitszeiten, Homeoffice, Weiterbildungen, Teamwork, agile Projektgestaltung, betriebliches Gesundheitsmanagement, ein Maximum an Handlungsfreiheit und Selbstverantwortung, vernetzendes Arbeiten und neue Führungsstile.

Standardisierung entlastet Führungskräfte und Team

Technik und Digitalisierung auf Höhe der Zeit bedeuten einen Vorsprung in Bezug auf Mitarbeiterattraktivität, denn Mitarbeiter schätzen einen zukunftsorientierten Arbeitsplatz. Die Standardisierung, die mit digitaler Technik möglich ist, entlastet Führungskräfte und das Team. Dadurch wächst aber auch die Notwendigkeit, sich wissensintensiven und innovativen Tätigkeiten zuzuwenden. Der Bedarf an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann zwar statistisch gesehen sinken, aber letztlich kommt es auf die Unternehmenskultur und die Unternehmensstrukturen an, die bestimmen, wie viele und vor allem welche Mitarbeiter benötigt werden. Eine digitale Kanzlei profitiert von einer Prozessoptimierung und damit einhergehend von mehr Zeit und Raum für die Mandanten. Wer hier den Anschluss verpasst, muss sich in einem immer kleiner werdenden Markt positionieren, was langfristig keine Perspektive sein kann.

Weigert / Kunde / Scholz
Mitarbeiterführung in der Steuerkanzlei

2021, 201 Seiten

Hardcover € 39,95

Schaeffer-Poeschel ISBN 978-3-7910-4934-2

Über die Autorinnen:

Sandra Weigert

Sandra Weigert, MBA, ist Geschäftsführerin der Weigert + Kunde Unternehmensberatung GmbH in Neumarkt i.d. Oberpfalz und Düsseldorf.

Petra Kunde

Petra Kunde ist Steuerberaterin und Diplom-Finanzwirtin mit eigener Kanzlei in Düsseldorf und Freiburg.

Ines Scholz

Dipl.-Kauffrau (FH) Ines Scholz, Steuerberaterin in eigener Kanzlei in Zwickau, Fachberaterin für Unternehmensnachfolge (DStV), Wirtschaftsmediatorin, Aufsichtsratstätigkeit.

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  1. […] Und sogar gut funktioniert. Dieser radikale Eingriff in die Arbeitsgewohnheiten hat zudem viele Strukturen und auch vertraute Vorgehensweisen hinterfragen lassen. So auch die Mitarbeiterführung. Menschen […]

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