Arbeitskulturen im Wandel

Da ist es wieder, das Mantra aller Strategieentwickler seit Peter Drucker: „Culture eats strategy for breakfast“. Nicht von ungefähr zitieren auch Wörwag/Cloots diesen Satz gleich auf der ersten Seite Ihres vielseitigen Werkes zu einer künftigen „Human Work Culture“. Tatsächlich geht es nämlich bei diesem Thema weniger um neue objektive Organisationsformen. Stattdessen legen die insgesamt 23 vorwiegend Schweizer Verfasser:innen eindrücklich dar, dass vor allem eine Veränderung des Mindsets zu bewerkstelligen ist.

Das Schichtenmodel nach Edgar Schein

Dabei werden Denkmodelle ebenso vorgestellt wie praktische Beispiele. So kommt in einem der Beiträge das sehr bekannte Schichtenmodell der Organisationskultur nach Edgar Schein zur Sprache, das von drei unterschiedlich gut sichtbaren Bestandteilen ausgeht. Äußere Faktoren wie ein bestimmter Dresscode (oder die im Anwaltsbereich noch immer sehr verbreitete Kolleg:innen-Anrede!) werden dabei auf einer zweiten Stufe unterlegt von Wertvorstellungen, die das Unternehmen (bzw. die Sozietät) bewusst vorgibt. Jedenfalls auf der Sollens-Ebene sind entsprechende „Mission Statements“ recht gut steuerbar – wie die vielfältigen Claims der Kanzleihomepages belegen. Kniffliger wird es auf der dritten Ebene bei den inhärenten Grundüberzeugungen. Nicht, dass es jemand laut aussprechen würde … aber schon die Kleine Hexe bei Otfried Preußler hat damit dereinst überraschende Erfahrungen gemacht: „Nur eine böse Hexe ist eine gute Hexe!“.

Was macht ein New Work-Umfeld aus?

Anhand dieser Trias lässt sich nun gut erklären, was ein New Work-Umfeld eigentlich ausmacht. Offene Räume und flexible Arbeitsplätze betreffen die Spitze des Eisbergs, während auf der unterliegenden Werteebene im neuen Kontext der Fokus wegrutscht vom „Arbeiten zum Lebensunterhalt“. Stattdessen geht es um vermehrte Kreativität und Sinngebung, die schließlich auf der untersten Ebene mit einer intrinsischen Motivation einhergeht. Erfüllung im „Permanent Beta“? Klingt gewagt, und verläuft tatsächlich auch alles andere als bruchlos.

Wie kann die Transformation funktionieren?

Das wiederum ist allerdings kein Grund, die Transformation gar nicht erst zu vollziehen, im Gegenteil: Es macht ein behutsames, kultursensibles Vorgehen unter Einbeziehung der unterschiedlichsten Bedürfnisse und Interessen, Herkünfte und Altersgruppen nur umso wichtiger. Wie das funktionieren kann, dazu leisten Wörwag/Cloots und ihre Mitautor:innen entlang der Grundlinien (1) Human Work Culture – Ein Schlüssel zur Zukunft der Arbeit, (2) Arbeits- und Führungskultur im Wandel und (3) Human Work Culture – den Wandel meistern, unverzichtbare Beiträge. Vom grundlegenden Kulturmodell nach William Schneider bis hin zu eigenen Darstellungen wie der eines Denkmodells zur Arbeitskultur als Orientierungsrahmen – bei diesen Vordenker:innen kommen alle Interessierten auf ihre Kosten.

Unsere Rezensentin:

Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder-Hartung, Business Coach IHK. Als Inhaberin des bundesweit tätigen Unternehmens aHa Strategische Kanzleientwicklung betreut sie von Frankfurt aus Juristen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Wörwag/Cloots

Arbeitskulturen im Wandel

2020, 347 Seiten

Softcover € 44,99

Springer-Verlag GmbH ISBN 978-3-658-30450-8

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