Verbraucher

„Feelgood-Management in der Kanzlei“ – Rezension

Nach „Strategien für Dienstleister“ (Schunder-Hartung/Kistermann/Rabis), „Wirksame Führungstechniken in Steuerberatungs- und Rechtsanwaltskanzleien“ (Dennerlein/Otto) und „Werte wirken“ (Permantier/Bischoff/Korpas) jetzt das: Brauchen wir 2021 auch noch ein „Feelgood-Management in der Kanzlei“?

Beim Blick in das Büchlein von Lies, einem BWL-Professor der Essener FOM, wird ziemlich schnell klar, dass es hier nicht um das Zuwerfen von Wollknäueln im Stuhlkreis geht. Stattdessen thematisiert der Autor das Wohlbefinden am Arbeitsplatz unter dem Aspekt des in Steuerberatungskanzleien besonders augenfälligen Fachkräftemangels. Die Branche leidet unter Überalterung, über die Hälfte der Mitglieder der Bundessteuerkammer sind mindestens 50 Jahre alt. Vor diesem Hintergrund hat Lies rund um den Jahreswechsel 2018/2019 – also noch vor der Covid-Krise – 68 Kanzleimitarbeiter:innen und 50 Führungskräfte bzw. Inhaber von Kanzleien befragt und die Ergebnisse vor allem abbildungsreich zusammengefasst.

Den Schwerpunkt seiner Abhandlung bilden verschiedene von ihm so bezeichnete Happy-Handlungsfelder – vom Employer Branding über Arbeitszeitmodelle bis hin zu Zufriedenheitsfaktoren wie dem Kanzleihund. Den guten Überblick gewährleisten einheitlich gestaltete Balkendiagramme, beispielsweise zur Frage: „Wie attraktiv ist für Sie Home Office?“. Hier wählten  51 Befragte die Antwort (sehr) attraktiv, 15 entschieden sich für weniger/gar nicht attraktiv. Entsprechend votierten zu flexiblen Arbeitszeitmodellen: 62:4 (Gleitzeit), 64:20 (Kernarbeitszeit), 52:41 (Vertrauensarbeitszeit).

Mission und Vision

Eine gute Denkanregung ist auch die Darstellung von Feelgood in einem Eisbergmodell, veranschaulicht es doch die zahlreichen unterschwelligen Faktoren, mit denen das Wohlbefinden am Arbeitsplatz zusammenhängt. Entsprechend spart Lies später dann die feelgood-gerechte Basis auch nicht aus, Stichworte: Corporate Identity mit Selbstverständnis, Kultur, Mission und Vision – was den Bogen zurück zu Permantier u.a. schlägt. Aber auch eine gute Unternehmenskultur, Ausgangspunkt der pyramidenförmigen Betrachtung bei Schunder-Hartung u.a. und schließlich die strategische Unternehmensführung, wie sie Dennerlein/Otto vertiefen, werden eingeknüpft.

Wenn Lies in den abschließenden Kapiteln Feelgood als Erfolgsbeitrag und schließlich 360 Grad-Konzept präsentiert, am Ende dann einen Prüfindex anbietet, dann gibt er unter dem Strich seinen Leser:innen ein höchst praktisches Arbeitsinstrument an die Hand. Cum grano salis birgt das auch für Anwaltskanzleien zahlreiche Anregungen. Beispielhaft dazu sei auf eine ganzseitige Tabelle (Abb. 19) mit Blick auf Feelgood und Personalentwicklung verwiesen. Hier kann es zu Beginn der 20er Jahre des 21. Jahrhunderts – allein schon aus Mitarbeitersicht – nicht mehr nur um die Verbesserung von Gehalt, Position und  Funktion gehen. Hinzu kommen neben vielem anderem auch eine verbesserte soziale Anerkennung und die Forderung und Förderung von Fach, Sozial- und Selbstkompetenzen. Gerne durch qualifizierte externe Fachleute, möchte man hinzufügen. Und ganz ohne Wollknäuel.

Lies

Feelgood-Management in der Kanzlei

2021, 105 Seiten

Softcover € 21,90

NWB Verlag ISBN 978-3-482-67791-5

  Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder-Hartung, Business Coach (IHK), Frankfurt am Main

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Der Gesetzgeber musste sie noch in dieser Legislaturperiode verabschieden: die umstrittene Urheberrechtsreform. Deshalb liefert David Geßner, Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht sowie Gewerblichen Rechtsschutz, die wichtigsten Fragen und Antworten zur Reform. Anwältin und Beraterin Dr. Anette Schunder-Hartung klärt auf, ob agile Methoden auch für Anwaltskanzleien zu empfehlen sind. Und Arbeitsrechtlerin Petra Geißinger liefert im zweiten Teil ihrer Artikelserie zur Gestaltung von Aufhebungsverträgen ein Klausel-ABC mit Formulierungsvorschlägen.


In dieser Ausgabe lesen Sie:

  • David Geßner: Die wichtigsten Fragen zur Urheberrechtsreform
  • Petra Geißinger: Die Gestaltung von Aufhebungsverträgen in der anwaltlichen Praxis – Teil 2: Klausel-ABC – von A wie Abfindung bis E wie Erledigungsklausel
  • Norbert Schneider: Beratungs- oder Geschäftsgebühr? Die zweite Entscheidung des BGH zur Abrechnung bei Entwurf eines Testaments
  • Gesine Reisert: Parteiverrat – Teil 2: Praktische Umsetzung zur Verhinderung von Parteiverrat
  • Benjamin Schauß: Berufungsbegründung im Zivilprozess – formelle und inhaltliche Anforderungen
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„Werte wirken – Strategie, Marke und Kultur mit Werten entwickeln“ – Rezension von Dr. Anette Schunder-Hartung

Krisen wie die Covid 19-Pandemie beschwören Strategiediskussionen geradezu herauf: Diese Tendenz ist unübersehbar und treibt den Kanzleienmarkt mittlerweile großflächig um. Darüber haben wir im Kanzleiforum gerade auch schon anlässlich des kürzlich erschienenen Buchs von Dennerlein/Otto berichtet. Lag dort der Schwerpunkt auf dem Thema Führungstechniken, so geht es jetzt um den Wandel durch Werte: Um die Zukunft einer Organisation – in unserem Fall: einer Sozietät – zu sichern, ist neben einer gemeinsamen Zukunftsvision und der Bereitschaft zu äußeren Strukturänderungen eine Haltung nötig, die durch innere Entwicklungsbereitschaft geprägt ist. Aber was heißt das genau?

Hierzu haben die drei Autor:innen Martin Permantier, Daniel Bischoff und Britta Korpas ein von ihnen selbst so bezeichnetes Werte-Target entwickelt, das sie ihren weiteren Ausführungen als Metamodell zu Grunde legen. Nach Art eines Tortendiagramms ordnen sie mögliche Arbeitswerte und -motive wie Freiheitsliebe, Ehrgeiz, Loyalität, Absicherungsbedarf, Kooperationsstreben oder Kreativität unterschiedlichen Bedürfnisbereichen Abwechslung, Bedeutung, Beitrag leisten usw. zu. Danach entsprechen nicht nur Einzelpersönlichkeiten, sondern auch ganze (Anwalts-)unternehmen bestimmten Wertetypen, die sich auf unterschiedliche Weise positionieren lassen. Und dadurch besondere Glaubwürdigkeit erlangen – oder diese Chance verpassen. Illustriert wird das unter anderem am Beispiel von Automarken, Supermarktketten und Banken.

Ist der Ist-Zustand erst einmal ermittelt, geht es daran, wer man nach innen und außen sein könnte. Dem nähert sich das Unternehmen – bzw. die Anwaltskanzlei – in einem fünfstufigen Prozess an. Das Autorenteam benennt ihn mit den Begriffen:

1. Prepare: „Was wollen wir untersuchen und analysieren?“,

2. Talk: „Was ist bereits gut und wo liegen unsere Stärken?“,

3. Play: „Wo wollen wir hin und was ist das Traumziel?“,

4. Create: „Was müssen wir, bezogen auf unser Ziel, stärken?“ und schließlich

5. Feel: „Wie können wir uns dem Ziel konkret annähern?“.

Klingt sperrig? Nicht, wenn man das Buch vor sich hat. Zu seinen Besonderheiten zählt nämlich eine ungewöhnlich starke Bebilderung, Farbgebung und ein geradezu spielerischer Umgang mit Schrifttypen. Dass hinter den Autor:innen eine Design- und Kommunikations-Agentur steckt, ist geradezu stilprägend. Da muss es bei uns strukturliebenden Jurist:innen vielleicht nicht die orangene Doppelseite mit Fan-Schnick-Schnack-Schnuck- und anderen Spielen zum Warmwerden sein. Aber dass jeder der vorgenannten Punkte mit einer grünen Doppelseite einschließlich Zusammenfassung, Checkliste und praktischen Werkzeugen schließt, ist eine wertvolle Transferhilfe.

Wer das Paperback in die Hand nimmt, wird sich entsprechend gleichermaßen informiert und unterhalten fühlen. So sehr, wie auch unsere Mandantinnen und Mandanten sich mittlerweile mit Wertethemen befassen, ist „Werte wirken“ eine hoch willkommene Einstiegshilfe.

Permantier/Bischoff/Korpas

Werte wirken

2021, 276 Seiten

Klappenbroschur € 34,90

Vahlen. ISBN 978-3-8006-6477-1

Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder-Hartung, Business Coach (IHK), Frankfurt am Main

 

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Im zweiten Jahr der Covid-Krise steigt auf dem Kanzleienmarkt der Bedarf nach der Neujustierung von Ausrichtungsfragen – diese Tendenz ist mittlerweile unverkennbar. Nach dem im Januar bei SpringerGabler erschienenen Buch über „Strategien für Dienstleister“ (Schunder-Hartung/Kistermann/Rabis) haben mit dem Erich Schmidt Verlag, Vahlen und nwb gleich drei weitere renommierte Fachmedienhäuser nachgezogen. Dabei geht es zum einen um Führungstechniken. Die anderen beiden Werke – wir kommen darauf zurück – führen aus, dass und wie „Werte wirken“ (Permantier/Bischff/Korpas) und „Feelgood-Managmement in der Kanzlei“ (Lies) hergestellt werden kann und muss.

Schlüsselkompetenzen von Führenden

Zum aktuellen Thema Führungstechniken ist mit den beiden Mediatoren Birgitta Dennerlein und Achim Otto, einer Steuerberaterin und einem Speditionskaufmann, ein sehr anschaulich arbeitendes Autorenteam am Start. Ohne ihre Ausführungen an irgendeiner Stelle unnötig aufzublähen, erklären die beiden Bedeutung und Hauptaufgaben der Führung sowie Rollen und Schlüsselkompetenzen von Führenden. Dabei führen sie von Anfang an aus, dass und inwiefern Führen mehr ist als ein bloßes Aufgaben-Managen. Dass zu den Schlüsselkompetenzen des Führens auch methodische Skills und soziales Geschick gehören, daneben ein personales und ein strategisches Händchen, daran lassen sie bei aller Unterschiedlichkeit der Führungsstile keinen Zweifel.

Führung ist kein Hexenwerk

Die gute Nachricht ist, dass sich die entsprechenden Fähigkeiten bis zu einem gewissen Grade erlernen lassen – sie sind kein Hexenwerk, während sie gleichzeitig eingeübt werden müssen. Beispiel Soziale Kompetenz: Darunter verstehen Dennerlein/Otto die Fähigkeit, durch Kommunikation und Interaktion entsprechend den Bedürfnissen der Beteiligten positive Kontrolle über ein Geschehen zu nehmen und entsprechend zu handeln. Zum Thema Kommunikation wiederum gilt es typische Fehlerquellen ebenso auszuschalten wie nonverbale Signale „lesen“ zu lernen. Auch dürfen die unterschiedlichen Ebenen von Aussagen nicht unterschätzt werden. Nach Ansicht der Autoren dominieren in der Anwaltsbranche vor allem die Sach- und Appellebene. Wer jemals Senior Associates gecoacht hat, weiß allerdings, dass hier viel mehr Beziehungs- und Statusaussagen herausgehört werden, als der Partner-Sprecher womöglich hineinlegt.

Gar nicht genug betont werden kann hingegen die Bedeutung einer motivierenden und überzeugend formulierten Zielevereinbarung. Solche Ziele müssen nicht nur „wasserfest“ (SMART) konfiguriert werden – es müssen auch bestimmte Bedingungen erfüllt werden, damit sie anschließend auf ausreichende Akzeptanz stoßen.

Diesen und viele weitere Aspekte – Stichworte: Delegation, Feedback- und Kritikgespräche – verarbeitet das Autorenteam nicht nur im Fließtext, sondern auch in zahlreichen Grafiken und Tabellen. Ergänzende optische Hervorhebungen machen das Buch zu einer rasch und leicht zu lesenden, gleichwohl gewichtigen und daher sehr empfehlenswerten Ergänzung für alle, die sich mit Führungsaufgaben auseinandersetzen wollen und müssen.

 

Dennerlein/Otto

Wirksame Führungstechniken in Steuerberater- und Rechtsanwaltskanzleien

2021, 112 Seiten

Softcover € 19,80

ESV ISBN 978-3-503-19564-0



Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder-Hartung, Business Coach (IHK), Frankfurt am Main

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In der Spezialausgabe des Fachinfo-Magazins MkG (Mit kollegialen Grüßen) klärt Rechtsanwalt Tim Günther junge Anwältinnen und Anwälte darüber auf, welche berufsrechtlichen Pflichtverletzungen sie kennen müssen und welche Vorkehrungen sie zwecks Haftungsprävention treffen sollten. Außerdem liefert er nützliche Tipps, um typische Fehlerquellen in den ersten Berufsjahren und im eigenen Rechtsbereich zu vermeiden.

Die Themen im Überblick:

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Über den Autor

Rechtsanwalt Tim Günther ist seit über zehn Jahren als Rechtsanwalt tätig und Partner der Jähne Günther Rechtsanwälte PartGmbB mit einem Beratungsschwerpunkt im Wirtschafts- und Berufsrecht. Er ist Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz und Fachanwalt für Versicherungsrecht.

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