Corona-Krise effizient meistern: Kostenloser Erste-Hilfe-Ratgeber für Anwaltskanzleien

Kompakte Experten-Tipps rund um Homeoffice, beA, digitale Beratung & Co.

Auch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte müssen im Zuge der noch nie dagewesenen Pandemie durch das Coronavirus eine ganze Reihe von Herausforderungen meistern. Hier gibt die Fachinfo-Broschüre „Coronakrise effizient meistern: Erste-Hilfe-Ratgeber für Anwaltskanzleien“ bei Fragen zu Homeoffice, beA & Co. erste Hilfestellung für die wichtigsten Notfallmaßnahmen. Er richtet sich an alle Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, die in Krisenzeiten schnell wieder handlungsfähig sein wollen.

Schnell umsetzbare Erste Hilfe in der Coronakrise

Welche IT brauche ich für mein Homeoffice? Wie muss ich jetzt mit meinen Fristen umgehen, wenn Gerichtstermine ausfallen? Wie kommuniziere ich in Quarantäne mit KollegInnen und Mandanten? Antwort auf diese und weitere Fragen geben sieben Fachautorinnen und -autoren. Sie haben für diese Fachinfo-Broschüre ihr Wissen auf wenigen Seiten zusammengefasst. Zusätzlich bieten Linktipps und weitere Kurzratgeber-Empfehlungen am Ende die Gelegenheit, sich bei Bedarf über bestimmte Themen näher zu informieren.

Themen und AutorInnen im Überblick:

Kanzlei-IT-Berater Holger Esseling: Technische Umstellung auf das Homeoffice: Das sollten Anwaltskanzleien beachten

Berufsrechts-Experte Tim Günther: Rechte und Pflichten von Anwältinnen und Anwälten in der Coronakrise

Kanzleiberaterin Ilona Cosack: Corona – So nutzen Sie Ihr beA bei Kanzlei-Quarantäne

IT-Rechtlerin Alexandra Milena Stojek: Mandantenkommunikation – Wie erreiche ich meine Mandanten? Wie erreichen sie mich?

Rechtsanwalt Sven Wilhelmy und Kanzleimanager Sebastian Quirmbach: Kollaboration und Zusammenhalt – so funktioniert digitales Teamwork in der Anwaltskanzlei

Datenschutzexperte Dr. Lutz Martin Keppeler: Datenschutzanforderungen an das Anwalt-Homeoffice: Was darf ich? Was nicht?

Verlieren Sie nicht den Mut und bleiben Sie natürlich gesund! 

Ihr Kanzleiforum Team

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CLP RICHTET KOSTENFREIES KRISENTELEFON EIN: IMMER FREITAGS ZWISCHEN 9 -12 UHR.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind notwendig. Dennoch fordert es gerade von jedem Einzelnen viel: Kontaktsperren, Home Office, Schließung öffentlicher Plätze und Gebäude… Umsatzeinbußen und Kundeninsolvenzen stehen ebenso im Raum wie der Verlust des Arbeitsplatzes und ganz realistische Existenzängste.

Mehr Informationen zu dem Krisentelefon finden sie hier

„Bundesweites Krisennetzwerk Rechtsrat“ mit kostenfreier Erstberatung

In Süddeutschland hat sich ein Team von mittlerweile rund 50 Anwältinnen und Anwälten verschiedenster Kanzleien zu einer großen Freiwilligenaktion zusammengetan. Mit einer Telefonhotline wollen Anwaltspartner von Köln, Koblenz, Limburg über Wiesbaden und  Frankfurt bis hin nach München und Rosenheim von der Pandemie betroffenen Selbstständigen, Angestellten und Freiberuflern unentgeltlich Erste Rechts-Hilfe leisten.

Zunächst bis zum 22. April ist unter der Rufnummer 069 2043 694 694 seit heute täglich zwischen 17 und 18 Uhr immer einer der Anwälte zu erreichen. Die Themen für Hilfestellungen reichen von AGB-Recht und Arbeitsrecht über Bankrecht und  Streitigkeiten unter Kaufleuten bis hin zu Datenschutz- und IT-Rechtsproblemen im Home Office. Insolvenzrechtsspezialisten sind ebenso mit an Bord wie Versicherungsrechtler, aber auch beispielsweise auch Fachleute für Transportrecht oder Exportkontrollfragen.

Eine Kanzlei für (Hoch-)schul- und Beamtenrecht engagiert sich Seite an Seite mit Spezialisten für Familien- und Nachfolgerechtsthemen in der Krise sowie Gemeinnützigkeits- und Stiftungsrecht.  Daneben beantworten Wirtschafts- und Steuerstrafrechtler Fragen – auch anonym. Flankierend umfasst das Netzwerk einen Steuerberater, einen Bankbetriebswirt, einen Mediatoren sowie eine Coaching- und Kommunikationsfachfrau bei „dicker Luft“. Wer jeweils andere Spezialisten benötigt, wird weitergeleitet.

 „Wir tun das trotz unserer zum Teil chaotisch vollen Schreibtische, weil uns auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sehr betroffen machen“, so Initiatorin Dr. Anette Schunder-Hartung. „Nach den zusätzlichen Geschäftsschließungen am Wochenende habe ich spontan eine Reihe von Anwälten aus meinem beruflichen Umfeld angesprochen, die gleich dabei waren. Wir alle wissen als Freiberufler selbst, was es heißt, um seine Existenz zu kämpfen. Gleichzeitig haben viele von uns auch deswegen mal Jura studiert, um effektiv helfen zu können. Jetzt wollen wir unseren Beitrag leisten“.

Technisch wird das Bundesweite Krisennetzwerk Rechtsrat unterstützt von NETHINKS GmbH, einem Anbieter von IT-Infrastrukturlösungen im osthessischen Fulda.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Rechtsanwältin Dr. Anette Schunder-Hartung, Strategische Geschäftsentwicklung, Untermainkai 30, 60329 Frankfurt, schunder@aha-entwicklung.de, 01573 688 6979.

„Virenfreie Rechtsberatung“: Mandantenkommunikation in Zeiten von Corona

Ende der Woche meldete sich ein Kunde bei uns, der von der Website eines anderen Kollegen erzählte. Dieser hatte kurzfristig auf der Startseite seiner Kanzleiwebsite ein Banner integriert: „Virenfreie Rechtsberatung – Rechtsberatung per Telefon und Videokonferenz“. So machte er potenzielle Mandanten darauf aufmerksam, dass er erreichbar ist und ein persönlicher Termin vor Ort in der Kanzlei nicht notwendig – also kontaktlos und damit „virenfrei“.

Aber wie setzt man „virenfreie Rechtsberatung“ in der Kanzlei um – und das zeitnah? 

Kommunikation in Zeiten der Krise

So ein Banner wollte unser Kunde nun auch und hat es auch bekommen. Zugegeben, nach etwas Zögern. Denn irgendwie klingt „virenfreie Rechtsberatung“ ein wenig nach Bildzeitung. Aber gerade die Bildzeitung hat immer schon dem „Volk“ aus der Seele gesprochen und das tut der Claim „virenfreie Rechtsberatung“ im Bildzeitungs-Stil irgendwie auch: Er reagiert auf die Sorgen vieler, die ein Rechtsproblem haben, aber das Haus nicht verlassen können, um zum Rechtsanwalt zu gehen. Genau genommen ist dieser kurze Claim also eigentlich die perfekte Reaktion auf die derzeitige Situation in der Mandantenkommunikation. Denn er greift ein Bedürfnis auf und formuliert ganz klar: „Wir sind für Sie da und dafür müssen Sie kein Risiko eingehen“.

Aktuelle Situation in vielen Kanzleien

In Bayern steht das öffentliche Leben schon etwas länger und etwas mehr still als in anderen Bundesländern. Aber aus allen Regionen hören wir von Kollegen bzw. Kunden, dass das Telefon seit letzter Woche im Privatmandantenbereich quasi still steht und auch andere Kontaktaufnahmen deutlich zurück gehen. Ganz Deutschland scheint in einer Schockstarre zu verharren und sich zurechtzurücken in dieser neuen Situation: Homeoffice, Kinder zu Hause, Ausgangsbeschränkungen, stündlich neue Meldungen, neue Situationen, Verunsicherung, Sorge um Familie und Freunde. Und dieser Ausnahmezustand wird eine Weile anhalten.

Aber die Menschen werden sich daran gewöhnen, dass der Alltag nun anders weitergeht bzw. weitergehen muss. Ich hoffe und glaube, dass die Nachfrage-Flaute in B2C-Kanzleien nicht längerfristig anhalten wird, wenn sich alle in der neuen Situation eingerichtet haben und die gesundheitliche Lage nicht vollkommen eskaliert.

Geändertes Nachfrageverhalten: gekommen, um zu bleiben

Klar ist aber auch: Die veränderte Situation der potenziellen Mandanten führt auch zu einer veränderten Nachfragesituation im Hinblick auf anwaltliche Beratungsleistung. Die Kontaktaufnahme mit einem Rechtsanwalt und die anschließende Rechtsberatung muss nun wirklich „kontaktfrei“ („virenfrei“) möglich sein. Dabei sollte sie gleichzeitig so gestaltet sein, dass der Mandant auf Service und bestenfalls persönliche Beratung nicht verzichten muss.

Digitalisierung allgemein und Legal-Tech-Lösungen im Speziellen machen genau das möglich. Darauf sollten sich Kanzleien nun einstellen und – wenn möglich – auch kurzfristig reagieren. Denn diese „Krise“ wird vieles dauerhaft verändern.

All die Menschen, die nun lernen, dass Arbeiten aus dem Homeoffice funktioniert, werden sich vermutlich nach der Krise fragen: „Muss ich da jetzt wirklich persönlich hin? Reicht das nicht, wenn man einen Video-Call macht und Dokumente in einem persönlichen Mandanten-Account hochlädt, statt „vorbeizudackeln“? Zugleich werden Mandanten verstärkt einfordern, Dinge mit der Kanzlei unabhängig von Öffnungszeiten – am Abend oder am Wochenende – zu erledigen. Der Wunsch nach Rechtsberatung „on-demand“ wird stärker werden und bleiben.

Kommunikationsschnittstelle Kanzleiwebsite

Wo aber fängt man an, wenn man potenziellen Mandanten „virenfreie“ und dennoch persönliche, effiziente Rechtsberatung ermöglichen will? In der Außenkommunikation der Kanzlei im Internet! Denn das Internet wird noch stärker DIE Schnittstelle für Kommunikation mit Mandanten und potenziellen Mandanten werden.

Deshalb lauten meine „Erste-Hilfe-Tipps“ in der Kommunikation im Netz wie folgt:

  1. Setzen Sie in der Mandanten-Akquise z.B. bei Texten von Google Ads-Anzeigen auf direkte Ansprache des Problems: „Wir sind online für Sie erreichbar“, „Auch ohne Termin vor Ort gut beraten“ etc.!
  2. Kommunizieren Sie jetzt auf der Startseite im oberen Bereich / Header der Website, dass Sie erreichbar sind und ein persönlicher Kontakt in der Kanzlei nicht notwendig ist. Kommunizieren Sie außerdem direkt WELCHE Kontaktmöglichkeiten „aus der Ferne“ Sie bieten – Telefon, Mail, Kontaktformular, Online-Formulare, digitale Akte etc.
  3. Setzen Sie ein gut gemachtes, klassisches Kontaktformular auf der Website prominent ein. Richtig platziert und mandantenfreundlich gestaltet wird es vor allem mobil besser angenommen als E-Mails. Stellen Sie beim Kontaktformular bestenfalls direkt die Möglichkeit zur Verfügung Dokumente zu übermitteln, wenn Sie nicht über eine digitale Akte verfügen.
  4. Erstellen Sie einen Fragebogen zum Sachverhalt auf der Website, bei dem die wichtigsten Fragen direkt gestellt und Antworten des potenziellen Mandanten direkt übermittelt werden. So erheben Sie bereits bei einer ersten Kontaktaufnahme einheitliche Fakten und können den Sachverhalt ggf. sehr schnell einschätzen. Mit Legal Tech Lösungen im Hintergrund können Sie hier ggf. sogar erste Ergebnisse automatisch „erarbeiten“ und mitteilen. Machen Sie sich schlau, was Ihnen in Ihrer Kanzlei jetzt und künftig die Arbeit erleichtern kann, vor allem in den Bereichen Unfall, einvernehmliche Scheidung, Widerruf Lebensversicherung etc., Kündigungsschutz usw.
  5. Kümmern Sie sich um einfache, rechtssichere Möglichkeiten für Video-Telefonate. Eine wirklich gute Lösung sollte unkompliziert für Mandanten sein, also keine Installation von Software beim Mandanten erfordern. Optimal sind Lösungen, bei denen man einen Link per E-Mail verschickt, den der Mandant anklickt – los geht’s!
  6. Last but not least: Kümmern Sie sich um eine digitale Akte, auf die Sie und Ihre Mandanten immer Zugriff haben. Die Schnittstelle für den Zugriff auf derartige Akten integriert man in der Kanzleiwebsite. So können Mandanten unabhängig von Öffnungszeiten auf den „aktuellen Stand“ zugreifen, mit Ihnen über diese Schnittstelle kommunizieren. Das entlastet Sie: für Sie entfällt Post- und/oder E-Mail-Versand. Und datenschutzkonform ist das gleich noch mit dazu.
Mein Fazit

Eine kleine, private Umfrage in einer recht großen Facebook-Gruppe von Kollegen, die vor allem im Privatmandanten-Bereich arbeiten, ergab heute – 23.03.2020: die Anzahl der Mandatsanfragen in nahezu allen Bereichen bricht aktuell sehr stark ein – ausgenommen wohl u.a. Reiserecht und Arbeitsrecht. Mir ist auch bewusst: allein das Anbieten kontaktloser Kommunikation löst dieses Problem natürlich nicht – wo keine Nachfrage ist, hilft auch die beste Kommunikationsschnittstelle nicht.

Meine Hoffnung ist, dass dieser enorme Einbruch der Mandatsanfragen der aktuellen Situation geschuldet ist, in der wir alle erst einmal „ankommen“ müssen. Meine Hoffnung ist, dass sich die Zahl der Mandatsanfragen erholen wird und ich hoffe natürlich möglichst schnell. Wir wissen aber derzeit alle nicht, was die kommenden Wochen bringen werden.

Ich rate in dieser Situation lediglich dazu, sich in dieser Zeit ggf. auf eine Nachfragesituation einzustellen, die vermutlich in der Krise anders sein wird als sie war und es vermutlich durchaus bleiben wird. Nutzen Sie die Zeit der Ruhe, um sich neu aufzustellen, für das was kommt und: bleiben Sie gesund!


Autorin Pia Löffler

Rechtsanwältin Pia Löffler ist Mitinhaberin der Boutique-Agentur anwalts.marketing, die sich auf die (Online-) Marketingberatung von Rechtsanwälten / Patentanwälten und MDP-Kanzleien spezialisiert hat.

 

 

 

Kostenfreies Webinar

Zu den Themen des Beitrags und zu Legal Tech Lösungen für ortsunabhängiges Arbeiten der Kanzlei und mit Mandanten in der Corona-Krise findet kommende Woche ein KOSTENFREIER, einstündiger Online-Workshop mit RAin Pia Löffler (anwalts.marketing) und Paul Schirmer (SFS Legal Tech Beratung) – insgesamt mit 3 Terminen zur Auswahl: Dienstag 31.03. 10h, Donnerstag 02.04. 19h, Sonntag 05.04. 15h. Es wird Gelegenheit geben, Fragen zu stellen. Kostenfreie Anmeldung unter www.sfs-legaltech.de/kanzleidigital

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Corona Roundup für Anwälte

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

innerhalb der beck-community gibt es seit Kurzem auch ein eigenes Blog zum Thema Corona. Expertinnen und Experten aus zahlreichen Rechtsgebieten vom Öffentlichen Recht über Arbeitsrecht, Zivilrecht und Zivilprozessrecht bis hin zum Strafrecht bloggen seit Mitte der Woche zu Themen wie Ausgangssperre, Kurzarbeit und vielen weiteren heißen rechtlichen Aspekten der aktuellen Krise. Hier finden Sie alles , was Anwältinnen und Anwälte in diesen turbulenten Zeiten wissen müssen, z.B.

Eine Art Corona-Roundup

Coronavirus: Handy-Ortung im neuen Seuchenschutzgesetz

Coronapandemie: Geplante Änderung im Strafverfahren

Wir hoffen, das wir Ihnen damit hilfreiche Tipps geben können.

Bleiben Sie gesund!

Mit den besten Grüßen aus dem Homeoffice

Ihr Kanzleiforum Team

Anwälte in der Cloud – Nutzung in der Praxis: Beitrag von Eva Säljemar und Prof. Dr. Thomas Gasteyersoll

Clouddienste werden bereits von etwa zwei Dritteln der deutschen Unternehmen verwendet und sind ein fester Bestandteil des Alltags vieler Anwälte. Entmystifiziert man den Begriff, geht es immer um Daten eines Anwalts auf einem fremden Server, sei es nur zur Speicherung von Dokumenten, oder um mit ihnen dort zu arbeiten. Weiterlesen

Lex Corona – die Lösung?

Die Ausbreitung des Coronavirus ist angsteinflößend. Dabei stellt sich auch die Frage, was die Folgen eines Arbeitsausfalls sind. Wird ein einzelner Arbeitnehmer unter Quarantäne gestellt, hat er Anspruch auf Entgeltfortzahlung bzw. Entschädigung nach § 56 IfSG. Aber was gilt, wenn ganze Betriebe oder Gebiete betroffen sind? Muss dann ein Arbeitgeber allen Arbeitnehmern die Vergütung fortzahlen, obwohl sein Betrieb stillsteht? Lesen Sie hier die Überlegungen von Rechtsanwalt Professor Dr. Jobst-Hubertus Bauer

Produktpiraterie – Interview mit Dr. Marcus von Welser

Dr. Marcus von Welser, Autor des Werkes Marken- und Produktpirarerie, erklärt im Interview mit dem Blog Kanzleiforum, wieso Produktpiraterie noch immer ein aktuelles Thema ist und welche wirtschaftlichen und rechtlichen Aspekte eine Rolle spielen.

Herr von Welser, wieso ist das Thema Produktpiraterie aktuell immer noch so ein Thema?

Marcus von Welser: Das Thema Produktpiraterie ist leider aktueller denn je. Den Originalherstellern entstehen durch Produktfälschungen jährlich Schäden in Milliardenhöhe. 

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Bad Leadership - Woran erkennt man schlechte Führung?

Von Narzissten und Egomanen: Was Kanzleien über Bad Leadership wissen sollten

Ein Gastbeitrag von Univ.-Prof. Dr. Jürgen Weibler zum Thema Bad Leadership.

Bad Leadership ist Alltag in praktisch allen Organisationen. Es erzeugt vielfältige Probleme und Konflikte. Gravierende Verfehlungen  landen nicht selten als juristische Streitfälle in Kanzleien. Deren fachkundige Beurteilung wird erleichtert, wenn beim Anwalt bzw. der Anwältin ein grundsätzlich besseres Verständnis zum Problem vorliegt. Aber auch eine Selbstreflexion ist im Falle einer eigenen Kanzleiführung nicht fehl am Platz.

Für beides bedarf es eines vertieften Führungswissens. Wir nähern uns der Bad Leadership Problematik mittels dreier Kernfragen:

Bad Leadership – Was ist darunter zu verstehen?

Zwei bedeutsame Spielarten eines Bad Leadership sind zu unterscheiden: Zunächst diejenige, die gemeinhin damit verbunden wird: Feindselig-aggressive Verhaltensweisen von Führenden gegenüber einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder gleich gegenüber dem ganzen Team – und zwar nicht nur hin und wieder, sozusagen an schlechten Tagen, sondern gewohnheitsmäßig und häufig.

Die Fachliteratur spricht hier von „Abusive Supervision“. Die zweite Spielart eines Bad Leadership vollzieht sich zumeist weniger offensichtlich: Wir sprechen hier von destruktiven Führungszielen, die dann vorliegen, wenn Führung systematisch Gewinner und Verlierer produziert.

Der Begriff der „Ausbeuterischen Führung“ bringt diese „win-lose“-Problematik ganz gut auf den Punkt. Wichtig dabei: Eine solche Führung kann absolut freundlich, höflich und wertschätzend daherkommen – sie ist dennoch schlecht, wenn sie „verführt“ und übervorteilt.

Wie ist dieses Problem zu erklären?

Bad Leadership ist im Ersten natürlich auf einen Bad Leader zurückzuführen. Überaus populär ist in diesem Zusammenhang die sog. „Dunkle Triade“ der Persönlichkeit: (subklinische) Narzissten, Machiavellisten und (subklinische) Psychopathen sind hierfür zu trennende, aber sich oftmals in Schnittmengen überlappende Bezeichnungen für dominante Persönlichkeitstypen.

Empirisch gesehen kommen sie im Vergleich zur Durchschnittsbevölkerung gehäuft im oberen Management vor. Bad Leadership entsteht aber auch, wenn ein Good Leader aufgrund äußerer Einflüsse zunehmend „bad“ wird.

Die Stichworte hier lauten Hybris und Gier, Letzteres nicht unwesentlich eine Folge der vieldiskutierten materiellen Anreizsysteme. Es gilt damit aber auch vom Bad Leader abzusehen – und die Bedeutung der Führungssituation (z.B. enormer Leistungs- und Erfolgsdruck, unrealistische Zielvorgaben, eine Kultur der Profitmaximierung um jeden Preis) anzuerkennen.

Immer ist auch die Prüfung auf vorhandene und geschulte Compliance-Systeme sinnvoll, die im Mangelfall ein günstigeres Umfeld für Verfehlungen darstellen und die Geschäftsführung damit nicht in Gänze aus der Verantwortung lassen, insbesondere wenn Pflichten verletzt oder Branchenstandards mit expliziter oder impliziter Empfehlungsorientierung unterschritten werden.

Last but not least gilt es schließlich auch den möglichen Beitrag der Geführten (Mitarbeitenden) zur Entstehung und zum Fortbestand einer schlechten Führung nicht zu übersehen.

Bad Leadership – Was ist dagegen zu tun?

Sich auf alle Fälle nicht einfach auf Zahlen zu verlassen, denn entscheidend ist hier, wie sie erzielt wurden. Bad Leadership kann höchst erfolgreich sein („Winning Asshole-Problematik“), insbesondere wenn ein „profit at all costs“ Teil der gelebten Führungskultur ist.

Natürlich ist die strukturelle Gestaltung der Führungssituation nicht zu vernachlässigen, beispielsweise durch Compliance-Systeme nebst Schulungen und Ombudsperson, aber man darf da auch nicht zu viel erwarten.

Sofern die Unternehmensleitung nicht selbst das Problem ist, ist die Etablierung von Standards bei der Einstellung oder der Beförderung wichtig. So wären beispielsweise wichtige Personalentscheide erst dann zu treffen, nachdem das Team über die Form der Führung befragt wurde. Dies mutet ungewöhnlich an, ist es aber nur für hierarchieverliebte Traditionalisten.

Unternehmen wie Google befördern nur, wenn das Team der aufstrebenden Person höhere Führungsaufgaben zunächst zutraut. Man sieht frei nach Umberto Eco: Allzu einfache Lösungen dürften keine nachhaltigen Lösungen des Problems bringen.

Cover vom Buch Bad Leadership von Thomas Kuhn und Jürgen Weibler

Genaueres und Weiteres zum Grundproblem Bad Leadership können Sie nachlesen in Thomas Kuhn/Jürgen Weibler:

Bad Leadership: Von Narzissten & Egomanen, Vermessenen & Verführten: Warum uns schlechte Führung oftmals gut erscheint und es guter Führung häufig schlecht ergeht

Vahlen 2020

Univ.-Prof. Dr. Jürgen Weibler ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Fern-Universität in Hagen. Er gilt als einer „der renommiertesten deutschen Experten in Sachen Mitarbeiterführung“ (Wirtschafts-Woche Online). Mehr Informationen unter www.leadership-insiders.de

5 weitere Tipps für mehr Datenschutz in Ihrer Kanzlei – Teil 2

 
6. Anfangen ist immer besser als (ab)warten

Wie schon in anderen Lebensbereichen gilt auch hier, dass der Weg nicht nur das Ziel ist, sondern sein muss. Mit dem Datenschutz anzufangen heißt, zu beginnen sich damit auseinanderzusetzen. Datenschutz ist ein immerwährender Prozess und kein statischer Zustand, der einfach aus der Box heraus gekauft und errichtet werden kann. Deshalb ist nicht das Abwarten, sondern nur das Anfangen die einzige Option. Natürlich wird es wohl nie 100% Datenschutz geben, wohl aber einen lohnenden Weg dorthin, um einen möglichst hohen Umsetzungsgrad zu erreichen. Weiterlesen