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Mit Hirnschmalz und Herzblut – So geht Networking von daheim!

Wie wie geht es Euch nach drei Wochen Home-Office, Kurzarbeit, mit weniger oder keinen Aufträgen? Der Ausgangsbeschränkung? Covid-19 wirbelt unser Leben durcheinander. Die Außenkontakte fehlen uns: Viele fühlen sich allein, gar einsam, Depressionen nehmen zu, denn der Mensch ist ein soziales Wesen. Er braucht die anderen. Wir müssen gerade jetzt in unsere Beziehungen investieren, damit wir mental gesund und wirtschaftlich am Ball bleiben. Der Begriff #socialdistancing ist unsäglich, weil mißverständlich, da lediglich physische Distanz erforderlich ist. Es geht nur um #physicaldistancing.

Haltet Eure Kontakte am Laufen

Wer gesund ist – und das sind zum Glück die meisten -, sollte aufhören zu jammern. Wir sitzen nicht wie Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel. Und anders als zu Pestzeiten gibt es tolle und vielfach kostenlose Tools, um coronafrei in Kontakt zu bleiben. Smartphones, Festnetztelefone, Skype, Zoom & Co., Emails, WhatsApp, Direktnachrichten bei Facebook, Instagram, LinkedIn, Twitter, Xing, das gute alte, nicht tot zu kriegende Fax nicht zu vergessen – wir haben unzählige technische Möglichkeiten, uns nahe zu sein. Es ist zwar nicht dasselbe, bei einem Business Lunch über Projekte nachzudenken oder zu skypen, doch besser als Emails hin- und herzuschicken. Als Geheimtipp schiebe ich handgeschriebene Briefe und Karten hinterher. Testet die Wirkung!

Ihr habt alles, Ihr müsst lediglich passende Ideen für Eure Klientel entwickeln und umsetzen. Keiner kann behaupten, er habe keine Zeit, wenn er nicht im medizinisch-pflegerischen Bereich, im Handel oder bei Paketdiensten etc. tätig ist. Corona stiehlt uns anderen keine Zeit, wenn wir den Spieß umdrehen: Nutzt die zusätzliche Zeit durch wegfallende Termine oder Fahrten zur Arbeitsstätte fürs Netzwerken. Rechnet täglich ein, zwei oder mehr Stunden einmal hoch! Wow!

Netzwerken mit System & Strategie

Um die geschäftlichen Beziehungen am Laufen zu halten, müssen wir gerade in der Krise strategisch vorgehen. Schaut Kunden- & Adressdateien darauf durch, welche Kontakte wiederbelebt werden sollten, notiert den Grund. Macht Euch zudem Gedanken dazu, welche Kontakte fehlen.

Das Telefon – Euer Freund

Erstellt nach dem Netzwerk-Check eine Telefonliste mit Prioritäten. Ruft täglich mindestens drei Leute an. Ihr müsst kein Small-Talk-Künstler sein, derzeit reicht: „Wir haben uns länger nicht gesehen. Ich wollte hören, wie es Ihnen geht.“ Vorsicht: Jammern killt die Stimmung. Fragt lieber, ob Ihr etwas tun könnt, wo sich der Gesprächspartner Unterstützung wünscht. Stellt hilfreiche Kontakte her. Bietet Zusatzservice. Telefonate sind nach der Begegnung die beste Kommunikationsform.  Sie haben Dank Corona wohl um 50 % zugenommen. Wer zu schüchtern ist oder sich aus anderen Gründen nicht traut, schreibt eine Email oder Karte. Besser als nichts.

Bedankt Euch

Bedankt Euch spontan und auch strategisch. Macht eine Liste, wem Ihr längst hättet danken sollen und ruft an.

Verschickt Überraschungen

Ich verschicke derzeit an Kunden, Freunde und Mitarbeiter Päckchen mit „Provence-Feeling“: Lavendelsäckchen, schöne Seife selbst dekoriert mit getrockneten Immortelles, den Unsterblichen (!), plus Handdesinfektionsmittel, falls erhältlich. Seife war vor Corona als Geschenk ein No Go, jetzt hat sie hohen Symbolgehalt, weil das Händewaschen Leben rettet. Schickt Mitarbeitern eine Tafel Schokolade mit einem persönlichen Gruß ins Homeoffice. Nutzt Lieferdienste.

Macht täglich etwas Nettes

Tut etwas für andere, das tut auch Euch gut. Zu Ostern schenkte ich Kassiererinnen, Postboten etc. Mini-Schokohasen, nur eine kleine Geste, doch alle strahlten. Wen vermisst Ihr? Sagt es ihm oder ihr.

Knüpft neue Kontakte

Selbständige, Unternehmer, Freiberufler, Führungskräfte und andere Ambitionierte sollten sich über LinkedIn vernetzen. Seid aktiv, postet und kommentiert regelmäßig. Laßt stupides Sammeln von Kontakten! Geht individuell auf Menschen zu, sonst könnt Ihr es gleich lassen. Wieso das digital und  analog so ist, verrate ich in meinem neuen Buch „Vergesst Networking – oder macht es richtig! …sonst sind 90% der Kontakte für den Müll.“

Nutzt den erlaubten Ausgang zum Netzwerken

Wenn Ihr draußen einkauft, vergesst das Klopapier, kauft Kleinigkeiten für Kunden, betagte Nachbarn, die alleinerziehende Mitarbeiterin in der Telefonzentrale.

Lasst Blumen sprechen

Meine Apothekerin hat sich über meinen Tulpenstrauß riesig gefreut – Investment: 7 €. Eure Dienstleister sind ein wichtiger Teil Eures Netzwerkes, pflegt sie. Farben beeinflussen uns: Gelb macht gute Laune wie die Sonne, weshalb man insbesondere kranken Menschen gelbe Blumen schenken sollte – mit Erfolg getestet. Blumenläden liefern aus.

Kümmert Euch um Euer Netzwerk, Ihr tut Euch und den anderen einen Gefallen: Es lohnt. Und bleibt gesund.

Haas
Vergesst Networking – oder macht es richtig!
… sonst sind 90 Prozent der Kontakte für den Müll
2019, X, 197 S.
Softcover 19,80 €
Vahlen. ISBN 978-3-8006-6065-0

© Michael Hagedorn

Martina Haas ist Expertin für Networking & Kommunikation und von Hause Rechtsanwältin. Die gefragte Vortragsrednerin und Dozentin begeistert Zuhörer, Leser und Medien mit ihren Ideen für mehr Erfolg. Weitere Informationen via www.martinahaas.com.

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Homeoffice und Videotelefonie: Plötzlich geht´s

Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Corona-Virus bedroht unser Leben. Die Krise bringt zugleich so viele Chancen wie noch nie zum Vorschein, endlich unser Verhalten und unsere Einstellungen zu überdenken und uns auf die Zukunft besser vorzubereiten.

Neue Möglichkeiten durch Videokonferenzen

Ein Beispiel: Videokonferenzen und Homeoffice. Vor knapp zehn Jahren arbeitete ich im Bereich Videokonferenzsysteme im B2B Vertrieb und Business Development. Meine Aufgabe war es, den Markt in der DACH-Region dafür zu sensibilisieren, Service Partner aufzubauen und mehr Unternehmen und Mitarbeiter dafür zu begeistern.

Das Thema wurde nur zögerlich angenommen. Entscheider wollten Remote-Lösungen nicht wirklich in den Berufsalltag einbauen. Man fand es „ganz nett“, jedoch mehrheitlich nicht zwingend notwendig. Ausnahmen waren Unternehmen, die global tätig waren. Mittelständische und kleine Unternehmen taten sich oft sehr viel schwerer. Die Verantwortlichen hörten zwar die Argumente CO2, Zeit-und Kostenersparnis, Flexibilität et cetera. Die Konsequenzen bezüglich der nötigen Verhaltensänderung wollten zu diesem Zeitpunkt noch wenige eingehen.

Videoübertragungen bieten Möglichkeiten in vielen Bereichen

Auch das Sowohl-als-auch-Prinzip wollte noch nicht wirklich greifen. Ein damaliger Geschäftspartner erzählte mir von einem sozialen Projekt in Bolivien. Es ging darum, via Video per Satellit Schulunterricht zu übertragen, damit Kinder nicht über viele Stunden in die Schule laufen mussten. Ich war damals schon begeistert, dass Video die Möglichkeit gibt, Menschen eine Perspektive in Unwägbaren Situationen zu geben! Ja, Videoübertragungen sind eine tolle alternative Möglichkeit, sich auf Distanz zu treffen und zu sehen. Ich staunte, dass viele Unternehmen und Schulen diese technologische Möglichkeit für die Zukunft kaum nutzten. Sie hätten doch so viele Vorteile davon: Sie gäben Mitarbeitern, Kindern und Eltern mehr Flexibilität und Möglichkeiten, ihrer Tätigkeit nachzugehen oder zu lernen – wo auch immer sie sich gerade befinden.

Neue Lösungen, neue Chancen

Knapp zehn Jahre später drängt uns das Leben in die Ecke, sagt Stopp. Wir werden plötzlich aus Gewohntem geschleudert, stecken in einer Krise. Keine Reisen, keine Veranstaltungen, keine größeren Gruppentreffen oder Besuche, keine Geschäftsessen. Das Treiben fährt runter und trotzdem läuft das Leben weiter, nur anders…

Plötzlich bekommen Videolösungen und Homeoffice einen höheren Stellenwert. Was für eine Veränderung! Was für ein Change! Man ist begeistert und gewinnt Zeit. All das ist dank der Digitalisierung möglich. Neue Lösungen überraschen – Bäcker posten Videos als Marketingaufruf, Schulen rüsten sich auf für digital Teaching, Kinder können von überall aus virtuell ins Klassenzimmer und Zuhause in der Schule sein. Freunde machen Afterwork-Stammtische über Video, Trainer stellen auf virtuelle Seminarräume um. Sensationell. Und das in so kurzer Zeit.

Aus der Situation entstehen neue Möglichkeiten. Und es werden immer mehr sein.

Mobile-Working als dauerhaftes Konzept?

Für mich als Change Beraterin und Coach ist der Corona-Ausnahmezustand eine Erfahrung mehr: Ein Schrei nach Veränderung benötigt manchmal große Einschnitte von außen, um innezuhalten und neue Möglichkeiten zu sehen. Wir lernen, dass wir nicht alles kontrollieren können, und schon gar nicht das Leben! Es zeigt uns aber auch, was alles in uns steckt und was wir möglich machen können. Es zeigt uns unsere Stärken, es zeigt uns aber auch Schwächen auf im System. Irgendwie kommen gerade viele Wahrheiten ans Licht. Wegzugucken ist schwierig. Das Leben fordert uns enorm. Der Appell an uns möchte jetzt nicht mehr verschoben werden.

Ich arbeite nun bereits seit vielen Jahren im Mobile-Working-Modus in einer Sowohl-als-auch-Variante. Mein Arbeitsstil bietet mir viele Möglichkeiten. Und vor allem gewinne ich die Freiheit und Flexibilität, so zu arbeiten wie ich es für meinen Lebens- und Arbeitsrhythmus brauche, um gut auf Veränderungen eingehen zu können.

Es hat nun diese Krise gebraucht, bis Videotelefonie und Homeoffice eine so große Bedeutung bekommen, die Menschen „bewegt“. Veränderung kommt für viele nie zur richtigen Zeit. Oft erkennen wir rückblickend an, dass die Wende wichtig war.

Altes loslassen und Raum für neues zulassen

Wie werden wir auf Corona schauen, wenn alles wieder normal läuft? Wir werden Gewinner und Verlierer haben. Freude und Tränen, neue Begegnungen und Trennungen, Erfolge und Niederlagen haben wir erlebt. Und wir werden Altes und nicht mehr Funktionierendes loslassen und Raum für Neues zulassen. Die Erde fängt an, sich zu erholen. Viele Menschen haben jetzt mehr Zeit. Zeit für ihre Kinder, Zeit, um sich Gedanken zu machen, was wirklich zählt. Zeit für qualitativen Gesprächsaustausch. Zeit, um aufzuräumen – innerlich und äußerlich. Jetzt zeigt sich, wieviel Stabilität wir in uns tragen, weil im Außen vieles instabil geworden ist.

Und wir beginnen, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Wir hinterfragen, ob das sein muss, was wir in unserer Gesellschaft nach dem Motto „Immer höher, schneller und weiter“ bewegt haben? Ich meine, die Zeit ist überreif, dass wir uns eingestehen: Ja, unser Leben verdient mehr Tiefe und Qualität.

Über die Autorin

Christine Frank ist Changeberaterin und Business Coach, unterstützt Mensch und Unternehmen aktiv Veränderung zukunftsorientiert zu Gestalten. Sie moderiert Workshops und Retrospektiven, begleitet Einzelpersonen und Teams in Projekten zu Themen wie New Work und Agile Transformation. www.frankcoaching.de

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Neues Fachinfo-Magazin MkG: Brexit, Recruiting und Homeoffice!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

welche Aspekte muss ich als Anwalt im Falle eines „harten“ Brexit beachten? Und wie gestalten sich die rechtlichen Aspekte bei der Homeoffice-Arbeit? Warum ist durchdachtes Recruiting in der Kanzlei so wichtig? Neben diesen Fragen stellen wir in der MkG-Ausgabe 01/2019 eine neue Kooperation mit dem FORUM Junge Anwaltschaft aus dem Deutschen Anwaltverein vor.

 

 

In dieser Ausgabe lesen Sie:
Dr. Christoph Kurzböck: Brexit: Folgen für Arbeitsrecht und Unternehmensform

Petra Geißinger: Artikelserie Arbeitsrecht 4.0. –  Rechtliche Fragestellungen beim Homeoffice

Sina Töpfer: Recruiting in der Anwaltskanzlei

Interview mit Dr. Niklas Haberkamm: Darum lohnt sich ein Fachanwaltstitel

Norbert Schneider: BGH bestätigt Rechtsprechung zur Kostenerstattung auswärtiger Anwälte

Aus der FFI-Redaktion/Digitales: Video-Interview mit der Kanzlei SKW Schwarz zur Gründung ihres neuen Legal Tech-Unternehmens und Tipps bei beA-Störungen

 

 

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