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Legal Tech 2020: 150 Angebote für Kanzleien

Marktübersicht von Herausgeber Markus Hartung bietet aktuellen Überblick von Deutschlands Legal Tech-Landschaft

Einer aktuellen Umfrage zufolge ist für 55 Prozent aller Juristinnen und Juristen eine der größten Herausforderungen, einenÜberblick über die aktuellen Entwicklungen im Bereich Legal Tech zu behalten. Hier leistet die neue Fachinfo-Broschüre Legal Tech 2020 Unterstützung: In dieser werden in einer gut strukturierten und aktuellen Gesamtübersicht die wichtigsten Produkte und Dienstleistungen des Legal Tech-Marktes mit 150 Angeboten speziell für Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte aufgeführt.

Der Legal Tech-Markt wächst

Immer mehr Tools und Softwarelösungen zur Digitalisierung und Optimierung der juristischen Arbeit stehen Anwältinnen und Anwälten zur Verfügung. Waren es in der letzten Auflage noch gut 100 Angebote, so finden sich in der diesjährigen bereits knapp 150 Angebote für Kanzleien und Rechtsabteilungen.

Die passende Lösung für die eigene Kanzlei finden

Um die Auswahl der zur eigenen Kanzlei passenden Legal Tech-Lösungen zu erleichtern, informiert die Marktübersicht in elf Kategorien über aktuelle Angebote auf dem deutschen Legal Tech-Markt. Das Verzeichnis steht als PDF zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Kategorien der Legal Tech-Angebote:

  • Dokumentenerstellung
  • Dokumentenanalyse
  • Mandantenkommunikation
  • Kanzlei-Tools
  • Anwaltsmarktplätze
  • Recruiting
  • Legal Outsourcing
  • Beratung
  • Kanzleisoftware
  • Software für Rechtsabteilungen
  • Juristische Datenbanken

Eine hilfreiche Lektüre wünscht Ihnen Ihr Kanzleiforum-Team

So macht Digitalisierung Kanzleien krisensicher: das neue Legal Tech-Magazin

Wer in der Vergangenheit schon auf digitales Arbeiten gesetzt hat, ist in Zeiten der Coronakrise klar im Vorteil. Für alle anderen wächst der Druck, sich mit neuen, digitalen Lösungen auseinanderzusetzen. Vor diesem Hintergrund kann die Krise als Chance begriffen werden, die eigene Kanzlei langfristig innovativer und digitaler zu gestalten. Hier leistet das Legal Tech-Magazin als Ergänzung zur Website legal-tech.de Unterstützung und liefert Ansatzpunkte, Ideen, Inspiration und Hilfestellung zur erfolgreichen Digitalisierung der Kanzleiarbeit.

In drei Schritten zur krisensicheren Kanzlei

Im ersten Beitrag des neuen Magazins schildert Autor Ludwig Wolter, mit welchen drei Schritten die Kanzlei auf ein neues Digitalisierungslevel gehoben werden kann, um für Krisen gerüstet zu sein und für langfristige Wettbewerbsfähigkeit zu sorgen.

Weitere Themen dieser Ausgabe:

► FFI-Verlag: So geht Deutschlands Anwaltschaft mit Legal Tech um – die Ergebnisse der großen Legal Tech-Umfrage

► Simon Reuvekamp: Digitales Diktat, oder lieber doch gleich Spracherkennung?

► Patrick Prior: Cloud-Lösungen in der Kanzlei – darum sind Sicherheitsbedenken unbegründet

► Sophie Reblin: Was macht eigentlich ein Legal Engineer?

► Alisha Andert: Mandantenzufriedenheit mit Legal Tech erhöhen – wie geht das?

Interessante Lektüre wünscht Ihnen mit kollegialen Grüßen

Ihr Kanzleiforum Team

Eine weitere Ausgabe des Magazins finden Sie hier:

Legal Tech in Deutschland: Stand 2020

Berlin Legal Tech

Die Legal Tech Berlin fand vom 26.–28.02.2020 zum vierten Mal statt. Diese von dem Berliner Legal Tech Pionier Prof. Breidenbach initiierte Veranstaltung hat sich zu einem bedeutenden Treffen der Branche sowie des interessierten Publikums entwickelt. Die Besonderheit liegt in dem interaktiven, kommunikativen Veranstaltungskonzept, das junge Nachwuchs-Entwickler, Startups, Software zu eigenen Zwecken entwickelnde Großkanzleien und etablierte Anbieter zu einem fruchtbaren Austausch zusammenführt – ein Konzept, das einen sehr hohen Wissens- und Erfahrungs-Ertrag für die Teilnehmer gewährleistet.

Der Autor nahm als Referent an der Veranstaltung teil und möchte mit diesem Artikel den derzeitigen Stand von Legal Tech in Deutschland der Fachöffentlichkeit als Orientierungshilfe vermitteln.

Als Legal Technology (LegalTech,LT) wird die Unterstützung, Automatisierung oder Ersetzung  von durch Menschen erbrachten juristischen Leistungen durch EDV bezeich-net. Der Autor schlägt dazu einen kürzenden Sprachgebrauch vor: Assistenz-LT / Automat-LT / Autonom-LT

1. Assistenz-LT

LT-Assistenz-Systeme unterstützen den Juristen bei seiner

  • geistigen juristischen Tätigkeit
  • Büro-Organisation einschließlich seiner Hilfskräfte
  • Kommunikation mit Dritten in der Anbahnung oder in der Durchführung.

Klassiker als LT-Assistenz-System sind die anwaltlichen Kanzlei-EDV-Systeme, juristische Online-Datenbanken und Anwaltssuchdienste. Ein aktueller Schwerpunkt der Entwicklung von Assistenz-Systemen – insb. von Startups – ist der Bereich der digitalen Dokumente hinsichtlich Erstellung, inhaltlicher Analyse und Auswertung. Da allgemeine und individuelle Juristen-Erfahrung zunehmend in einer großen, beständig ansteigenden Anzahl von digitalen Dokumenten gespeichert ist, liegt es nahe, die Beschränktheit des menschlichen Gehirns in Erinnerung, Suche nach Ähnlichkeiten und Mustern sowie hinsichtlich zusammenschauender Auswertung von Dokumenten durch EDV zu ergänzen. Hier wird in Zukunft künstliche Intelligenz (KI) zunehmend an Bedeutung gewinnen. Der solche LT-Assistenz-Instrumente nutzende Jurist hat Zeit-/Kosten- und Wettbewerbsvorteile, woraus sich ein Business Case für diese Systeme ableiten lässt und damit Investitionskapital angezogen wird, was diese Entwicklung weiter befeuert.

An neuartigen LT-Assistenz-Tools sind konzeptionell interessant der Arbeitsrechts-Vertragsgenerator des Startups Legal OS sowie das Startup codefy, das juristische Texte inhaltlich analysiert und dazu relevante Rechtsprechung aus Online-Datenbanken ermittelt.

Die klassischen LT-Assistenz-Systeme wie Kanzleiorganisations-Software nehmen zunehmend die Arbeitsleistung des Juristen in den Fokus. Legal Tech Tools werden immer mehr in das Kanzlei-Organisationskonzept eingebunden. Die bislang dem Anwalt persönlich vorbehaltene Entgegennahme und Aufbereitung von Falldaten wird zunehmend durch Softwarelösungen unterstützt und ersetzt, so durch Online-Mandantenkonten mit Online-Mandatserteilung und Online-Dateneingaben der Mandanten direkt in die Kanzlei-EDV-Systeme.

2. Automat-LT

Bei der LT-Automatisierung ersetzt der Computer bei typisch wiederkehrenden Einzelschritten der juristischen Dienstleistungen vollständig die geistige und praktische Arbeitsleistung des Juristen. Dieser hat dabei (nur) eine beaufsichtigende – weil die Verantwortung tragende – Funktion.

LT-Automatisierung führt umso mehr zu Arbeitseinsparungen und Kostenvorteilen, je mehr gleichartig gelagerte Fälle als juristische Dienstleistungen zu bearbeiten sind. Hier sind einige Großkanzleien mit eigenen Entwicklungen, auch eigenen Programmierabteilungen, aktiv, insbesondere im Bereich von „Dieselskandal“ sowie von Wertpapier-Sammelklagen. Es ist denkbar, dass dort gewonnene Erkenntnisse und Lösungen zu Produkten führen, die auch Kanzleien mit kleineren Fallzahlen anwenden könnten.

Einen neuartigen Ansatz hierzu hat RA-MICRO in der Entwicklung, in dem im Online‑Mandantenkonto der Anwaltskanzlei dem Mandanten von der Kanzlei für typische Fallgestaltungen generierte Daten-Erfassungsmasken zur Verfügung gestellt werden, die bei Auftragserteilung und während des laufenden Mandats vom Mandanten online mit Daten befüllt werden. Diese Daten werden automatisch in das RA-MICRO Textbaustein-Variablensystem übernommen, sodass der (fehlerträchtige) Arbeitsschritt der Übertragung der Daten (z. B. Kfz-Daten, Grundbuch-/Katasterbezeichnungen u. a.) in das Kanzlei-EDV-System entfällt. Dies ermöglicht in Standard-Konstellationen wie Räumungsklagen und Mahnverfahren automatisiert ablaufende Verfahrensabschnitte der anwaltlichen Dienstleistung.

3. Autonom-LT

Die autonome Legal Tech will den Juristen vollständig durch den Computer ersetzen. Experimentell hat das KI-System IBM Watson erste Ergebnisse gezeigt, die aber weit von praktischer Nutzbarkeit entfernt sind. Derzeit ist die Idee eines „Computer-Juristen“ Science-Fiction und es ist auf dem heutigen Stand der Technik nicht abzusehen, ob und wie eine solche Zukunft jemals Realität werden könnte.

Als Consumer Legal Services haben sich allerdings einige Systeme etabliert, die massenhaft auftretende, einfach gelagerte Sachverhalte mit juristischen Dienstleistungen automatisiert bearbeiten (ohne mit dem Rechtsdienstleistungsgesetz zu kollidieren) wie „Flugrecht“, „Flightright“ „Geblitzt“, „Wenigermiete“, „Aboalarm“, „myright“.

Im Fall des Vertragsgenerators Smartlaw ist ein Verstoß gegen das RDG vom LG Köln erkannt worden. Das ist deshalb richtig, weil nach dem heutigen Stand der Technik eine intellektuell juristische geistige Leistung durch einen Computer – wie dies die Gestaltung eines Vertrages unzweifelhaft erfordert – unmöglich ist.

Autor:

RA Dr. Peter Becker, Berlin

Legal Tech-Übersicht 2020: Der Legal Tech-Markt auf einen Blick

Neue Anbieterübersicht informiert Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte über aktuelle Legal Tech-Angebote

Legal Tech schreitet kontinuierlich voran und zählt längst nicht mehr zur Kategorie „Nice-to-have“, sondern zur Kategorie „Must-have“. Doch woher wissen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, welche Tools und Software Lösungen es überhaupt gibt? Die Übersicht bietet Kanzleien einen Überblick über die zahlreichen Angebote, die aktuell verfügbar sind. Weiterlesen

Von der Großkanzlei bis hin zum Einzelanwalt – So geht Deutschlands Anwaltschaft heute mit Legal Tech um

Die Ergebnisse der großen Legal Tech-Umfrage im Überblick

Wie steht es um die Digitalisierung in Deutschlands Anwaltskanzleien?
Werden neue Lösungen und Arbeitsweisen genutzt?
Wo sehen Anwältinnen und Anwälte Herausforderungen und Chancen?

Diese und weitere Fragen haben rund 300 Juristinnen und Juristen in einer umfassenden Legal Tech-Umfrage, die vom FFI-Verlag in Kooperation mit dem Verlag Dr. Otto Schmidt, Sack Fachmedien und dem Anwalt-Suchservice durchgeführt wurde, beantwortet. Die Ergebnisse zeigen, dass es – unabhängig von Alter und Kanzleigröße – einen zentralen Treiber hinter der Digitalisierung gibt: Zwei Drittel möchten effizienter und kostengünstiger arbeiten. In den meisten Fällen, um dem Wettbewerbsdruck standhalten zu können.

Was ist Ihre Hauptmotivation bei der Nutzung von Legal Tech? (Mehrfachnennungen möglich)

Potenzial erkannt: Zwei von drei Anwälten sehen Legal Tech als Chance

65 % der Befragten blicken positiv auf die Digitalisierung. Nur 8 % fühlen sich durch Legal Tech und mögliche Konkurrenzprodukte bedroht. Ein Großteil gibt an, dass in ihren Kanzleien bereits Investitionen im Bereich Legal Tech erfolgt seien: Neben der E-Akte und dem digitalen Diktat nutzen immer mehr Kanzleien auch komplexere Legal Tech-Lösungen. Besonders beliebt: Software zur intelligenten Dokumentenerstellung und Dokumentenanalyse. 41 % nutzen bereits mindestens eine dieser Softwarelösungen. Nur 18 % aller Befragten möchten noch abwarten, bevor sie in Legal Tech investieren.

Ist der Beschluss gefasst, die eigene Kanzlei mithilfe von Legal Tech zu modernisieren, stellt dies die Anwaltschaft vor neue Herausforderungen: Mangelnde IT-Kompetenz, den Überblick über aktuelle Entwicklungen behalten und fehlende Erfahrung bei Umstellungsprozessen – diese Probleme wurden unter den Umfrageteilnehmer/-innen am häufigsten genannt.

Durchgeführt wurde die Umfrage im Zeitraum Oktober bis Dezember 2019. Die ausführliche Umfrageauswertung wurde auf legal-tech.de und in dieser Broschüre veröffentlicht:

Fachportal vergibt Legal Tech-Signet für Kanzleien

Legal Tech ist ein Begriff, den sich heutzutage bereits viele Rechtsanwaltskanzleien „auf die Fahne“ schreiben. Jetzt können Kanzleien, die in das Online-Verzeichnis des Fachportals
legal-tech-kanzleien.de aufgenommen werden, mit einem Signet nach außen sichtbar machen, dass ihre Digital-Kompetenz bestätigt wurde.

Warum ein Legal Tech-Signet?
Anwaltskanzleien erbringen durch den Einsatz von Legal Tech die Rechtsberatung für Unternehmensjuristen schneller, besser, kostengünstiger und letztlich passgenauer. Unternehmensjuristen, die diese Vorteile nutzen möchten, können aber oft nicht erkennen, ob eine Kanzlei Legal Tech nur als Marketing-Begriff nutzt oder tatsächlich einsetzt. Kanzleien wiederum, die Legal Tech „leben“ haben Schwierigkeiten, ihre Kompetenz glaubhaft zu vermitteln, wenn der Begriff inflationär in der Branche verwendet wird. Hier schafft das Legal Tech-Signet des Fachportals und Online-Verzeichnis legal-tech-kanzleien.de Abhilfe. Es gibt Unternehmensjuristen Sicherheit bei der Suche nach der richtigen Legal Tech-Kanzlei. Legal Tech-Kanzleien ermöglicht es wiederum, ihr Fachwissen mit einem Symbol nach außen zu kommunizieren.

Wer kann das Legal Tech-Signet nutzen?
Kanzleien, die in das Online-Verzeichnis von legal-tech-kanzleien.de nach einem von Markus Hartung entwickeltem Auswahlverfahren aufgenommen wurden, dürfen das Legal Tech-Signet führen. Das Legal Tech-Signet kann als Symbol in sämtlichen Bereichen der Außendarstellung – von PR bis hin zu Marketing – eingesetzt werden. Insbesondere die Kanzlei-Website, die E-Mail-Signatur, aber auch Mandanteninformationen bieten sich hier an.

Wie bewerbe ich mich für das Legal Tech-Signet?

Jede Kanzlei ist eingeladen, am Auswahlverfahren von legal-tech-kanzleien.de teilzunehmen und somit das Legal Tech-Signet zu erwerben. Hierzu füllen diese den Fragebogen aus, der als PDF-Datei auf legal-tech-kanzleien.de zum Download zur Verfügung steht und schicken ihn an info@ffi-verlag.de. Teilnehmende Kanzleien werden zeitnah über das Ergebnis informiert.

Über legal-tech-kanzleien.de: Legal-tech-kanzleien.de ist das erste Fachportal und Online-Verzeichnis für Unternehmensjuristinnen und -juristen. Es richtet sich an diejenigen, die wollen, dass ihr Unternehmen von der Digitalisierung der Rechtsberatung profitiert, jedoch nicht wissen, wo sie anfangen sollen. 

Das neue Legal Tech-Magazin: Der Ratgeber für Anwälte, die Chancen nutzen

Online-Magazin zur Umsetzung von Legal Tech in Rechtsanwaltskanzleien

63 Prozent der Anwältinnen und Anwälte sehen Legal Tech vor allem als Chance für Ihre eigene Kanzlei (Quelle: Legal Tech-Umfrage 2019). Doch wie gelingt die Umsetzung von Digitalisierungsprozessen in der Kanzlei ganz konkret? Was tut sich in der Legal Tech Branche? Welche Tools und Arbeitshilfen gibt es? Welche neuen Geschäftsmodelle sind sinnvoll und wie gelingt effektives, digitales Marketing? Diese Fragen sollen als Ergänzung zur Website legal-tech.de nun auch im dazugehörigen Legal Tech-Magazin, das in zwei Ausgaben pro Jahr erscheint, beantwortet werden.

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Die diesjährige Legal ®Evolution – Gedanken zum Umgang mit Legal Tech

Die Legal ®Evolution bietet jedes Jahr eine gute Gelegenheit zur Information über die am Markt befindlichen Legal Tech-Applikationen – und erwartungsgemäß werden es jedes Jahr mehr. Um nur einige zu nennen, konnte man sich auch dieses Jahr einen guten Überblick über die diversen Funktionalitäten von Applikationen zum Dokumentenmanagement, der Dokumentenautomation, zur Unterstützung von sog. Internal Investigations oder zum Knowledge-Management verschaffen. Höchst interessant fand ich jedoch die Informationen, die „zwischen den Zeilen“ ausgetauscht wurden und die nicht notwendiger Weise in direktem Zusammenhang mit den konkreten Spezifikationen der ausgestellten Applikationen stehen. Weiterlesen

Justitia

Bucerius CLP Herbsttagung 2019: Managed Legal Services

In diesem Jahr wird sich die Herbsttagung des Bucerius CLP mit dem Thema „Managed Legal Services“ befassen. Wirtschaftsberatende Kanzleien erweitern ihre Geschäftsmodelle „rund um den rechtlichen Kern“ mit neuen Dienstleistungen und standardisierten Services, um die wachsende Nachfrage von Inhouse-Abteilungen nach Lösungen für immer komplexer werdende Problemstellungen zu bedienen. Aber: Die Big4 und nicht-anwaltliche Dienstleister machen ihnen dabei massiv Konkurrenz. Wie fällt die Antwort der Kanzleien aus?

Wir interviewen zu diesem Thema Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession.

Gibt es eine Perspektive für die „klassische“ Rechtsberatung oder wird sie immer weiter zurückgedrängt werden?

Es wird mit Sicherheit immer Segmente des Rechtsmarkts geben, in denen die „klassische“ Rechtsberatung weiter Bestand hat – vor allem dort, wo der Rechtsanwalt als „Feinmechaniker“ gefragt ist, um die individuell beste Lösung für einen mehr oder weniger komplexen Einzelfall zu erarbeiten. Das kann sowohl „Alltagsmandate“ als auch die Beratung in einer besonders innovativen Transaktionsstruktur betreffen. Rechtsberatung beinhaltet aber zu einem großen Anteil Vorgänge und Prozesse, die massenhaft vorkommen und ohne Weiteres standardisiert und effizienzgetrieben gemanaged werden können – auch wenn das viele Anwälte noch nicht wahrhaben möchten. In diesem Bereich wird immer weniger Platz sein für die „Anwaltsmanufaktur“. Legal-Tech-basierte managed legal services werden sich hier breit machen –als Bestandteil der Strategie von Anwaltskanzleien und als autonomes Angebot (relativ) neuer Markteilnehmer.

Wie verändert Managed Legal Services den Charakter und die Qualität rechtlicher Beratung?

Die Veränderungen werden einschneidend sein – vieles davon findet längst statt. Es ist schon seit Jahren Praxis, dass Unternehmen z.B. große Ausschnitte ihrer forensischen Mandate als Paket vergeben, insbesondere im Consumer-Bereich. Um diese Arbeit haben sich bisher zumeist klassische Anwaltskanzleien beworben. Jetzt konkurrieren sie mit neuen Wettbewerbern, die sich auf dieses Geschäft fokussieren und mit erheblichen Effizienzgewinnen werben können. Die Qualität der Beratung wird in dieser „neuen Welt“ vielleicht nicht dieselbe sein – in vielen Bereichen ist den Unternehmen aber letztlich Kosteneffizienz wichtiger als 110%ige Qualität. Auf den Feldern, auf die es den Mandanten strategisch wirklich ankommt, können sie ja weiterhin die anwaltlichen „Feinmechaniker“ beauftragen, von denen ich vorhin sprach.

Was bedeutet das für kleine und mittlere Kanzleien?

Die geschilderte Entwicklung betrifft alle Kanzleien – alle müssen ihre Strategie auf den Prüfstand stellen. Kleinere Einheiten können sich durch Spezialisierung und moderne Formen der Leistungserbringung ebenso fit machen für die „neue Welt“ wie große Sozietäten.

Haben Sie Empfehlungen für Kanzleien, wie Sie sich in Zukunft aufstellen sollen?

Alle Partner bzw. Kanzleimanager werden sich die Frage vorlegen, wie zukunftsfähig ihr Geschäftsmodell ist. In der Regel kennen Anwälte genau die Bereiche, in denen der klassische Beratungsansatz langfristig nicht tragen wird. Dort muss man sich fragen: Lässt sich das durch den Einsatz moderner Technologien lösen und/oder durch effizientere Arbeitsprozesse? Oder muss man sich demnächst von diesen Mandaten lösen? Und kann man neue Beratungsprodukte entwickeln, die nicht ohne Weiteres von „Effizienzanbietern“ übernommen werden können?

Und wie steuern die Rechtsabteilungen, die sich im „Legal Management“ derzeit selbst fit machen, diesen Prozess?

Die Rechtsabteilungen stehen vor genau denselben Herausforderungen. Sie spüren den Druck des Vorstands, die internen Strukturen effizienter und innovativer zu gestalten. Das gilt natürlich auch für die Mandatsvergabe. Die Rechtsabteilungen werden zunehmend darauf achten, dass ihre Rechtsberater Qualität und Effizienz optimal kombinieren. Das muss kein „Gegeneinander“ sein. Es gibt derzeit viele Ebenen, auf denen sich Mandanten und Kanzleien über Legal Tech und Legal Project Management austauschen und voneinander lernen. Lohnt sich aus Ihrer Sicht noch ein klassisches Jura Studium mit zwei Staatsexamen?

Absolut – jedenfalls so lange der Gesetzgeber am „Einheitsjuristen“ festhält. Legal Tech und Legal Process Management machen den Rechtsmarkt nicht weniger attraktiv – im Gegenteil. Die Dynamik der Entwicklung, die jetzt endlich auch den Rechtsmarkt erfasst hat, wirkt auf den juristischen Nachwuchs eher beflügelnd. Und an spannenden juristischen Herausforderungen wird es auch in Zukunft nicht mangeln – es kommen täglich neue hinzu!

 

 

 

Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession und Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer

 

 

 

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