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Bucerius CLP Herbsttagung 2019: Managed Legal Services

In diesem Jahr wird sich die Herbsttagung des Bucerius CLP mit dem Thema „Managed Legal Services“ befassen. Wirtschaftsberatende Kanzleien erweitern ihre Geschäftsmodelle „rund um den rechtlichen Kern“ mit neuen Dienstleistungen und standardisierten Services, um die wachsende Nachfrage von Inhouse-Abteilungen nach Lösungen für immer komplexer werdende Problemstellungen zu bedienen. Aber: Die Big4 und nicht-anwaltliche Dienstleister machen ihnen dabei massiv Konkurrenz. Wie fällt die Antwort der Kanzleien aus?

Wir interviewen zu diesem Thema Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession.

Gibt es eine Perspektive für die „klassische“ Rechtsberatung oder wird sie immer weiter zurückgedrängt werden?

Es wird mit Sicherheit immer Segmente des Rechtsmarkts geben, in denen die „klassische“ Rechtsberatung weiter Bestand hat – vor allem dort, wo der Rechtsanwalt als „Feinmechaniker“ gefragt ist, um die individuell beste Lösung für einen mehr oder weniger komplexen Einzelfall zu erarbeiten. Das kann sowohl „Alltagsmandate“ als auch die Beratung in einer besonders innovativen Transaktionsstruktur betreffen. Rechtsberatung beinhaltet aber zu einem großen Anteil Vorgänge und Prozesse, die massenhaft vorkommen und ohne Weiteres standardisiert und effizienzgetrieben gemanaged werden können – auch wenn das viele Anwälte noch nicht wahrhaben möchten. In diesem Bereich wird immer weniger Platz sein für die „Anwaltsmanufaktur“. Legal-Tech-basierte managed legal services werden sich hier breit machen –als Bestandteil der Strategie von Anwaltskanzleien und als autonomes Angebot (relativ) neuer Markteilnehmer.

Wie verändert Managed Legal Services den Charakter und die Qualität rechtlicher Beratung?

Die Veränderungen werden einschneidend sein – vieles davon findet längst statt. Es ist schon seit Jahren Praxis, dass Unternehmen z.B. große Ausschnitte ihrer forensischen Mandate als Paket vergeben, insbesondere im Consumer-Bereich. Um diese Arbeit haben sich bisher zumeist klassische Anwaltskanzleien beworben. Jetzt konkurrieren sie mit neuen Wettbewerbern, die sich auf dieses Geschäft fokussieren und mit erheblichen Effizienzgewinnen werben können. Die Qualität der Beratung wird in dieser „neuen Welt“ vielleicht nicht dieselbe sein – in vielen Bereichen ist den Unternehmen aber letztlich Kosteneffizienz wichtiger als 110%ige Qualität. Auf den Feldern, auf die es den Mandanten strategisch wirklich ankommt, können sie ja weiterhin die anwaltlichen „Feinmechaniker“ beauftragen, von denen ich vorhin sprach.

Was bedeutet das für kleine und mittlere Kanzleien?

Die geschilderte Entwicklung betrifft alle Kanzleien – alle müssen ihre Strategie auf den Prüfstand stellen. Kleinere Einheiten können sich durch Spezialisierung und moderne Formen der Leistungserbringung ebenso fit machen für die „neue Welt“ wie große Sozietäten.

Haben Sie Empfehlungen für Kanzleien, wie Sie sich in Zukunft aufstellen sollen?

Alle Partner bzw. Kanzleimanager werden sich die Frage vorlegen, wie zukunftsfähig ihr Geschäftsmodell ist. In der Regel kennen Anwälte genau die Bereiche, in denen der klassische Beratungsansatz langfristig nicht tragen wird. Dort muss man sich fragen: Lässt sich das durch den Einsatz moderner Technologien lösen und/oder durch effizientere Arbeitsprozesse? Oder muss man sich demnächst von diesen Mandaten lösen? Und kann man neue Beratungsprodukte entwickeln, die nicht ohne Weiteres von „Effizienzanbietern“ übernommen werden können?

Und wie steuern die Rechtsabteilungen, die sich im „Legal Management“ derzeit selbst fit machen, diesen Prozess?

Die Rechtsabteilungen stehen vor genau denselben Herausforderungen. Sie spüren den Druck des Vorstands, die internen Strukturen effizienter und innovativer zu gestalten. Das gilt natürlich auch für die Mandatsvergabe. Die Rechtsabteilungen werden zunehmend darauf achten, dass ihre Rechtsberater Qualität und Effizienz optimal kombinieren. Das muss kein „Gegeneinander“ sein. Es gibt derzeit viele Ebenen, auf denen sich Mandanten und Kanzleien über Legal Tech und Legal Project Management austauschen und voneinander lernen. Lohnt sich aus Ihrer Sicht noch ein klassisches Jura Studium mit zwei Staatsexamen?

Absolut – jedenfalls so lange der Gesetzgeber am „Einheitsjuristen“ festhält. Legal Tech und Legal Process Management machen den Rechtsmarkt nicht weniger attraktiv – im Gegenteil. Die Dynamik der Entwicklung, die jetzt endlich auch den Rechtsmarkt erfasst hat, wirkt auf den juristischen Nachwuchs eher beflügelnd. Und an spannenden juristischen Herausforderungen wird es auch in Zukunft nicht mangeln – es kommen täglich neue hinzu!

 

 

 

Prof. Dr. Klaus-Stefan Hohenstatt, Direktor des Bucerius Center on the Legal Profession und Partner bei Freshfields Bruckhaus Deringer

 

 

 

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